Rundschau.
183
dürfen, die es für eine Pflicht der „Observanz" gegen Herbart-Ziller anzusehen
scheinen, unsere Forderung dieser „größeren Pädagogik fort und fort zu
bemängeln."
Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier darauf einzugehen, wie Natorp sich
mit Dörpfeld und Trüper polemisch auseinandersetzt. Mit nachdrücklicheren
Worten kann man wohl kaum zum Studium des genannten Buches auffordern,
als es Natorp am Schluß seines Aufsatzes thut. Er sagt:
„Alles in allem bleibt Dörpfeld das Lob unbestritten, zur tieferen Er
gründung socialpädagogischer Fragen nach vielen Seiten kräftige Anregung gegeben
zu haben Seine auffallendsten Einseitigkeiten sind für diese anregende Wirkung
nicht nur kein Hindernis, sondern eher fördernd, weil er nie mit dogmatischen
Behauptungen auftritt, sondern zu wahrheitsliebender Prüfung stets selbst bereit ist
und wie wenige den Empfänglichen zu spornen weiß. Und so wünschen wir dem
Buche den schönsten Erfolg, den es in seiner pietätvollen Unterordnung unter den
Gegenstand sich selber wünschen kann: den Erfolg zu einem gründlich
kritischen Studium der Socialpädagogik Dörpfelds recht viele Leser zu ver
anlassen, und zugleich dieses Studium durch das reiche neue Material, das es
bietet, wie durch Orientierung über das bisher schon vorliegende, wirksam zu
unterstützen."
Lehrerfortbildungskurse. Bekanntlich bestehen in einer Reihe von größeren
Städten, wie z. B. auch in Elberfeld, Fortbildungskurse für Lehrer zur Vor
bereitung auf die Mittelschulprüfung. Die Teilnehmer an solchen Kursen hatten
bisher vor ihren andern Kollegen den großen Vorteil voraus, daß sie die Prüfung
stückweise ablegen konnten. Nach zweijährigem Besuch eines Kursus machten sie
etwa das Examen in Geschichte (und zwar am Orte selbst) nach abermals zwei
Jahren im Deutschen, und ein bis zwei Jahre darauf gingen sie dann zur
Provinzial-Hauptstadt, um sich in Pädagogik prüfen zu lassen. Diese Be
günstigung ist jetzt durch einen Erlaß des Ministers vom 28. Januar d. I.
aufgehoben worden, unseres Erachtens mit Recht, da sie die Lehrer der Groß
städte einseitig bevorzugte. Die Kurse können selbstverständlich bestehen bleiben,
aber die Prüfung kann fernerhin nicht mehr stückweise und auch nur vor dem
Provinzialkollegium abgelegt werden.
Neue Seminare. Nach dem Etat des Kultusministeriums ist die Er
richtung zweier evangelischer Seminare in Ostpreußen, je eines evangelischen in
Pommern und der Rheinpronvinz, je eines katholischen in Westpreußen, Posen
und Schlesien und eines katholischen Lehrerinnenseminares in Schlesien in Aus
sicht genommen. Ferner sollen 7 neue Präparandenanstalten in Ostpreußen,
Pommern, Schlesien, der Rheinprovinz Westpreußen (2) und Posen (2) errichtet
werden.
Neue Rechtschreibung. Nach Zeitungsberichten soll die neue Rechtschrei
bung vom Jahre 1903 ab auch für die Staatsbeamten verbindlich sein.
Oberlehrer an höheren Mädchenschulen. Durch die Maibestim
mungen vom Jahr 1894 über die höheren Mädchenschulen sind den seminarisch
und akademisch gebildeten Lehrern an den genannten Anstalten bekanntlich gleiche
Rechte verliehen worden. Für die Beförderung zu Oberlehrerstellen soll nicht
die Art der Vorbildung, sondern die amtliche Bewährung maßgebend sein. Gegen
diese Bestimmung haben die Akademiker, die die Oberlehrerstellen allein für sich
haben wollen, seither unaufhörlich Sturm gelaufen, und im neuen Kultusetat ist

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.