Vorschläge zu einer Reform des Religionsunterrichts. 195
genügen werden, um die Sprachkraft der Kinder genügend zu fördern; auch würde
das Interesse schließlich erlahmen, wenn man tagtäglich immer wieder und wieder
mit den Kindern von ihrem Verhältnis zu den Eltern redete; es gilt vielmehr,
daneben einfache, naiv-klassische Erzählungen dem Unterricht zu Grunde zu legen,
welche einerseits ethische und religiöse Grundgedanken enthalten und andererseits
das Interesse der Kinder lebhaft in Anspruch nehmen und darum geeignet sind,
ihre Sprachkraft zu entwickeln. Als profane Stoffe vertragen sie selbstverständlich
eine sprachliche Zubereitung für Kindesverständnis und Kindesbedürfnis besser
als biblische Geschichten.
Der gesamte angedeutete Stoff will angesehen sein als ein Ausschnitt
aus dem heimatkundlichen Anschauungsunterricht, welcher den Zweck hat, den
biblischen Geschichtsunterricht vorzubereiten; wir nennen diesen Ausschnitt: Vor
kursus des Religionsunterrichts. Für denselben schlagen wir vor:
1. Lehrgespräche über die Familie (Elternliebe und Kindesdank).
2. Hey: a. Knabe und Vogel (Mutterliebe),
b. Wandersmann und Lerche (Dank gegen Gott).
3. Krummacher: a. Die Reue (Vergebende Elternliebe).
b. Die kleine Wohlthäterin (Nächstenliebe als Liebe zu den
Tieren).
o. Rotkehlchen (Nächstenliebe als Liebe zu den Tieren).
4. Grimm: Die Sternthaler (Elternliebe, Nächstenliebe, Gottvertrauen).
5. Caspari: Gott sieht alles (Heilige Furcht vor dem allgegenwärtigen Gott).
Bei der Wahl der Erzählstoffe leitete uns die Erfahrung, daß Kinder des
in Frage kommenden Alters sich vor allem für'Kinder- und Tiergeschichten
interessieren. Über diesen Punkt haben wir uns bereits früher in diesem Blatte,
Iahrg. 1887, Heft 5, und in unserer Schrift: „Der Gesinnungsunter
richt im ersten und zweiten Schuljahre" *) folgendermaßen aus
gesprochen : „Kinder und Tiere sind die täglichen Spielgenossen unserer Kleinen;
sie wissen sich mit den Kindern eins in ihrer ganzen Anschaunngs-, Denk- und
Empfinduugsweise, und auch auf die Tiere übertragen sie ihre eigenen Em-
pfindnngen. Außerdem giebt das Leben der Tiere ihrer Phantasie reiche Nahrung.
Das Belauschen der Heimlichkeiten der Tiere, die Beobachtung ihrer ganzen
Lebensweise erfüllt die kindlichen Herzen mit Freude. Besonders sind es die
Vögel, die Bewohner der Luft, fern von dem Wohnplatz der Menschen, welche
einen eigentümlichen Reiz auf das Kindergemüt ausüben."
Wie lang der Vorbereitungskursus sein muß, und ob in demselben die vor
geschlagenen Stoffe sämtlich zur Behandlung kommen, richtet sich nach dem
9 Diese Schrift ist gegenwärtig vollständig vergriffen, sie wird in kurzem in neuer
Auflage erscheinen.

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