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I. Abteilung. Abhandlungen.
ihrer ergrauten Mutter — Liebe bis in den Tod. Die Geschichte Josephs ruft
den Kindern zu: „Des Vaters Segen baut den Kindern Häuser," die von der
frommen Ruth: „Wenn du noch eine Mutter hast. so sollst du sie mit Liebe
pflegen;" beide Erzählungen aber klingen zusammen in der Mahnung: „Bleibe
fromm und halte dich recht, denn solchen wird es zuletzt wohlgehen."
Die Behandlung der Geschichten Josephs und Ruths wird etwa um die
Weihnachtszeit beendet sein. Für den Rest des zweiten Schuljahres und das
dritte Schuljahr bieten wir, wie bereits gesagt, ein elementares Lebensbild Jesu.
Wir beginnen dasselbe mit einer Wiederholung der Jugendgeschichte des Herrn
und erzählen dann den Kindern sämtliche Geschichten von der Taufe bis zur
Himmelfahrt, soweit dieselben diesem Alter keine zu großen Schwierigkeiten bieten.
II. Hauptkursus.
Bisher ist es fast allgemein üblich gewesen, jeder Unterrichtsstufe eine
Anzahl Erzählungen aus allen Perioden der heiligen Geschichte zuzuweisen; jede
folgende Stufe nimmt den Stoff der vorhergehenden wieder auf und erweitert
ihn durch neue Erzählungen. Je länger, je mehr nimmt daher die Stoffreihe
eine solche Ausdehnung an, daß der Schüler, der sie durchlaufen soll, einem
Reisenden gleicht, der eine herrliche Gegend im Schnellzuge durcheilt. Berge
und Thäler, Wälder und Felder, Städte und Dörfer ziehen in raschem Fluge
an dem Auge des Reisenden vorüber; nur an den Hauptstationen kurze Rast —
dann weiter! weiter! Ein Eindruck jagt den andern; das Auge ermüdet, das
Interesse erlahmt, und ist die Reise beendet, dann fließen in der Erinnerung die
verschiedenen Vorstellungen ineinander und erzeugen verschwommene Bilder. Der
Wanderer dagegen, der durch ein kleineres, übersehbares Gebiet ruhigen Schrittes
fürbaß schreitet, im Walde dem Plätschern des Bächleins und dem Jubilieren
der Vögel lauscht, in Stadt und Dorf mit den Bewohnern Zwiesprache hält
und vom Bergesgipfel vorwärts und rückwärts schaut, hat reichen Gewinn für Geist
und Gemüt. Diesem Wanderer gleichen unsere Schüler, wenn wir in jedem Jahre den
durchzuarbeitenden Stoff auf ein solches Maß beschränken, daß eine anschauliche Be
trachtung der Einzelzüge der Geschichte, ein gemütvolles Versenken in die Ge
danken, Gefühle, Absichten und Thaten der Menschen und in die Führungen
Gottes und endlich eine sich an Herz und Gewissen der Kinder wendende An
wendung ermöglicht wird. Dieser Forderung entspricht die Beschränkung jedes
Jahrespensums auf je eine Hauptperiove der Heilsgeschichte. — Was dagegen zu
Gunsten des konzentrisch sich erweiternden Lehrgangs angeführt zu werden pflegt,
die feste Einprägung der Hauptgeschichten infolge der oftmaligen Wiederholung,
das fällt dem vorgeschlagenen Lehrgänge zu einem guten Teil nebenbei zu. Denn
die Reproduktionsfähigkeit der Vorstellungen hängt ganz wesentlich von der
Stärke des ersten Eindrucks ab und ist um so größer, je mehr ihre Bildung

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