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I. Abteilung. Abhandlungen.
des Johannes von vornherein in ein so Helles Licht gerückt, wie es der metho
dischen Kunst sonst auch nicht auf Umwegen möglich wäre. Die einzelnen Lebens
bilder dürfen daher nicht von dem Platz gerückt werden, den sie in der Heils
geschichte einnehmen. — Je mehr die Geisteskräfte des Kindes erstarken, desto
mehr macht sich bei ihm das Bedürfnis geltend, einen Überblick über den Schatz
seiner Vorstellungen zu erhalten, einzelnes zu Gruppen zusammenzufaffen. Der
historische Gang kommt diesem Bedürfnis entgegen; er ermöglicht eine Auffassung
des Zusammenhangs mit Vorhergehendem und Nachfolgendem. Indem er dar
legt, wie eine Thatsache die Ursache der andern ist, wie eine Erscheinung aus
der andern entsteht, wird er zu einem genetischen Gange und weckt allmählich
das Verständnis dafür, daß der Betrachtung nicht nur „Geschichten" dargeboten
werden, sondern „Geschichte", Heilsgeschichte. Den aufgestellten Forderungen, auf
allen Stufen jedes Stoffübermaß sorgfältig zu vermeiden, die Lebensbilder
geschichtlicher Personen als zusammenhängende Ganze darzubieten, sie in chrono
logischer Folge auftreten zu lassen und endlich auch den innern Zusammenhang
der Geschehnisse zu berücksichtigen, kann nur der historisch-genetische Lehrgang
gerecht werden; er ist daher für den Hauptkursus des Religionsunterrichts der
allein naturgemäße.
Diesem historisch-genetischen Gange folgend führen wir vom 4. Schuljahre
an die Kinder in einem Zuge durch die Geschichte des Reiches Gottes von der
Schöpfung bis zur Gegenwart und kennen nur eine Berührung mit den konzen
trischen Kreisen, nämlich die, daß die Kinder durch erbauliche Betrachtung der
entsprechenden Festgeschichte aus die Feier der hohen christlichen Feste vorbereitet
werden. Wenn die Adventsglocken erklingen und von allen Kanzeln verkündigt
wird von dem, der da gekommen ist in die Welt und noch kommen will in die
Herzen, da wollen wir den Kindern in jedem Jahre wieder erzählen von der
gnadenbringenden heiligen Nacht, in der der Engelsruf erklang: „Euch ist heute
der Heiland geboren." Und wenn die Karwoche die Christenheit erinnert an
das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, dann wollen auch wir unsere
Kinder im Geist unter das Kreuz führen nach Golgatha, damit es ihnen
ahnungsvoll durch Ohr und Herzen geht: „Nun, was du Herr, erduldet, ist
alles meine Last . . . Gieb mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad."
Wie an der Karfreitagstrauer der Christenheit, so lassen wir die Kinder auch
teilnehmen an dem Osterjubel und, sobald die Ausgießung des Heiligen Geistes
behandelt worden, was allerdings erst im siebenten Schuljahre geschieht, an der
Pfingstfreude derselben.
Ein Glied in der Kette „Geschichte des Reiches Gottes auf Erden" ist
auch das Lebensbild Jesu. Nachdem wir im 4. und 5. Schuljahre, dem
chronologischen Gange folgend, die Geschichten des Alten Testamentes behandelt,
im Beginn des 6. Schuljahres als Brücke vom Alten zum Neuen Testament

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