Vorschläge zu einer Reform des Religionsunterrichts. 201
die Gestalt Johannes des Täufers den Kindern vorgeführt, bieten wir im
weiteren Verlaufe des 6. Schuljahres ein vertieftes Lebensbild Jesu von der
Verkündigung der Geburt bis zur Himmelfahrt. Sämtliche Geschichten aus dem Leben
Jesu, welche ein gutes Historienbuch bietet, werden so eingehend behandelt, als
es nur die Auffasfungskraft der Kinder zuläßt.
Während wir nun bei der Betrachtung der Gottesmänner des Alten
Testamentes gewohnt sind, als Schluß der Behandlung einen Überblick in der
Weise zu gewähren, daß wir die einzelnen Geschichten zu einem Lebensbilde
zusammenfassen, in dem die Kinder die einzelnen Geschichten als Glieder des
Ganzen auffassen lernen, können wir hier eine solche Zusammenfassung, also ein
pragmatisches Lebensbild Jesu, unsern Schülern nicht geben, aus dem einfachen
Grunde, weil sich die chronologische Aufeinanderfolge der Einzelgeschichten, ab
gesehen von den Jugend-, Leidens- und Herrlichkeitsgeschichten, in vielen Fällen
für Kindesverständnis nicht feststellen läßt. Man kann darüber persönlich seine
Gedanken haben und diese Gedanken auch geistreich vorbringen, wie Schuldirektor
Bang*) es gethan, aber für unsere Kinder ist das nichts, für diese ist die
Sache nicht einfach genug.
Wer nun aber meint, nach der Behandlung der Einzelgeschichten eine über
sichtliche Zusammenfasiung nicht entbehren zu können, dem empfehlen wir, die
Einzelgeschichten in Gruppen zusammenzustellen, wie seiner Zeit A. Güldner es
in diesem Blatte (Jahrg. 1898, Heft 5) vorgeschlagen hat. * 1 2 3 4 5 6 7 ) Mit dem eigent
lichen Zwecke des Religionsunterrichts, der religiösen Gesinnungsbildung, hängt
eine solche Gruppierung freilich nur lose zusammen, weil sie sich vorzugsweise
an den Verstand und weniger an das Gewissen wendet.
III. Vertiesungskursus.
Obwohl' es für uns keinem Zweifel unterliegt, daß eine so schnelle Wieder
holung derselben Geschichten, wie sie in dem noch vielfach beliebten einjährigen
Kursus stattfindet, auf das Interesse der Kinder nicht vorteilhaft wirkt, so
können wir doch nicht zugeben, daß das Kind kein Interesse daran haben sollte,
liebe alte Bekannte (und das sollen die Personen der biblischen Geschichte ihm
doch sein! nach Jahren wieder zu sehen, um sie näher kennen zu lernen. Die
9 S. Bang, Das Leben Jesu. Leipzig, Ernst Wunderlich. 1893.
2 ) Güldner bildet folgende Gruppen:
1. Jesus und seine Eltern.
2. Jesus und seine Freunde und Jünger.
3. Jesus und die Kranken und Leidenden.
4. Jesus und die Sünder, Verachteten und Unmündigen.
5. Jesus und das Volk.
6. Jesus und seine Feinde und Gegner.
7. Jesus und sein himmlischer Vater.

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