Vorschläge zu einer Reform des Religionsunterrichts.
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Es sei gestattet, kurz anzudeuten, wie wir uns diese Gruppierung und ihre
Begründung denken. Wir beginnen naturgemäß mit dem Sündenfall.
Barmherzig und gnädig ist der Herr.
1. Sünden fall. Als Adam gesündigt hat, da hört er lockend und
mahnend die Stimme Gottes: „Adam (besinne dich), wo bist du?" Gott
will Adam veranlassen, vor seinem Schöpfer niederzusinken und um Vergebung
zu stehen, um ihn dann begnadigen zu können. Adam will aber seine Sünde
nicht bekennen und sich nicht reumütig zu Gott hinwenden; er entfernt sich viel
mehr immer weiter von Gott bis zur Verbitterung gegen Gott; diese spricht er
aus in den Worten: „Das Weib, das du mir zugesellet hast, gab mir von
der Frucht." Und als nun auch Eva nicht offen und reumütig ihre Schuld
bekennt, sondern dieselbe auf die Schlange schiebt, da kann auch sie nicht be
gnadigt werden. Nun können Adam und Eva nicht länger im Paradiese bleiben,
aber so groß ist Gottes Barmherzigkeit, daß er sie dennoch nicht ohne Trost
ziehen läßt, sondern ihnen die Verheißung mit auf den Weg giebt von dem
Weibessamen, der der Schlange den Kopf zertreten soll.
2. Kain. Gott warnt Kain väterlich vor der Sünde, und als nun
Kain trotz der Warnung die Sünde thut, da sucht ihn Gott zur Buße zu rufen
mit dem Wort: „Wo ist dein Bruder Abel?" Kain soll unter der Last seiner
schrecklichen Sünde zusammenbrechen, zu Gottes Füßen niedersinken, frei bekennen,
was er gethan und um Erbarmung flehen; er würde nicht umsonst gefleht
haben. Aber Kain bereut seine Sünde nicht, will sich auch vor Gott nicht
demütigen, sondern antwortet in frechem Trotz: „Ich weiß nicht; soll ich meines
Bruders Hüter sein?" Nun erst kündigt ihm Gott sein Strafurteil an. Das
schmettert den Kain nieder, er sieht sich im Geist von der Menschheit verabscheut
und fürchtet sein Leben zu verlieren, (er hat nur ein Leben zu verlieren).
Aber auch jetzt streckt Gott noch seine Hand aus nach diesem tiefgefallenen Kinde„
ob es wolle umkehren und sprechen: „Vater, ich habe gesündigt in den Himmel
und vor Dir" — „Der Herr machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand-
erschlüge."
Wie traurig, zu wissen, daß all diese Liebe vergeblich gewesen.
u. s. w.
Du bist nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt; wer böse ist, bleibet
nicht vor Dir.
1. Sündenfall. Adam und Eva haben gesündigt, sind auch Gottes
Lockruf zur Buße nicht gefolgt; da spricht ihnen Gott das Urteil. Evas Wille
soll dem Willen ihres Mannes unterworfen sein, „das ist Strafe und Arznei 9
für ihren Hochmut, in welchem sie Gott gleich sein wollte." Mit den Worten:
,,Du bist Erde und sollst zur Erde werden" erinnert Gott Adam an seine
Nichtigkeit und schleudert ihn zurück zur Erde, der sich neben Gott in den
Himmel zu erheben gedachte. Das Paradies schließt sich hinter Adam und Eva,
und nun beginnt ein Leben voll Kummer und Mühe; das ist die Kreuzesschule,.
in welche Gott die Menschen schickt, damit sie sich sehnen lernen nach Erlösung.
Gottes Strafe ist zugleich heilige Erziehung.
2. Kain. Kain hat Gottes Warnung verachtet und nach begangener
That den Ruf zur Buße trotzig zurückgewiesen; daher spricht der Herr zu ihm:

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