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I. Abteilung. Abhandlungen.
„Verflucht seist du auf Erden. Unstät und flüchtig sollst du sein." An ihm
soll es wahr werden, was der Dichter Hölty von dem Gottlosen sagt: ,,Der
Wind im Hain, das Laub am Baum saust ihm Entsetzen zu." Wie macht doch
die Sünde den Kain so über alle Maßen unglücklich; er ruft aus: „Meine
Sünde ist zu schwer, als daß ich sie tragen könnte." Gottes Kind hat er nicht
sein wollen; nun muß er des Teufels Knecht sein.
An diesen zwei Beispielen mag es genügen. Selbstverständlich sind noch
andere Gruppierungen möglich und bei vorhandener Zeit auch nützlich; wir sind
freilich der Ansicht, mit den beiden angedeuteten Gruppen die Hauptsache, das,
worauf es vor allem ankommt, getroffen zu haben. Als Überschriften zu weiteren
Gruppen schlagen wir vor: „Des Herrn Rat ist wunderbar, aber er
führet es herrlich hinaus," oder: „Ruse mich an in der Not, so
will ich dich erretten, und du sollst mich preisen."
IV. Kursus zur Einführung in das christliche Gemeindeleben.
Die allgemeinen Bestimmungen stellen dem evangelischen Religionsunterrichte
neben der Einführung der Kinder in das Bekenntnis der Gemeinde noch die
Aufgabe, die Kinder zu befähigen, „die Heilige Schrift selbständig zu lesen und
an dem Leben, sowie an dem Gottesdienste der Gemeinde lebendigen Anteil zu
nehmen." Wo mag dieses Ziel gegenwärtig auch nur annähernd erreicht werden?
Die Behandlung der Perikopen, welche vorzugsweise diesem Zivecke dienen soll, ist
ein pädagogischer Mißgriff; einmal giebt sie Brocken' anstatt zusanimenhängender
Ganzen, und dann kommt auch das Interesse der Schüler den Perikopen keines
wegs entgegen. In vielen Gemeinden werden den sonntäglichen Gottesdiensten
freie Texte zu Grunde gelegt, und auch da, wo über eine der beiden Perikopen
gepredigt wird, bilden dieselben doch selten den Gegenstand der Betrachtung in
der Hausandacht, und das letztere müßte doch der Fall sein, wenn das Kind
der Behandlung von vornherein Interesse entgegenbringen soll. — Wir müssen
uns also nach einem andern Wege umsehen, der uns dem von den allgemeinen
Bestimmungen ausgestellten Ziele näher bringt.
In dem christlichen Religionsunterrichte ist die Hauptsache die Person Jesu.
Mit ihm sollen die Kinder in eine Lebensgemeinschaft treten und so einst
»christliche Charaktere werden. Dies ist das wahre Ziel des christlichen Religions
unterrichts, dem das formale Ziel „selbständiges Lesen der Heiligen Schrift"
und „lebendige Anteilnahme an dem Gottesdienste der Gemeinde" unterzuordnen
ist. Diesem Ziele streben wir zu im 3. Schuljahre durch Darbietung eines
elementaren Lebensbildes Jesu, im 4. und 5. Schuljahre durch christozentrische
Behandlung des Alten Testamentes und im 6. Schuljahre durch eine vertiefte
Betrachtung des Lebens Jesu. In den beiden letzten Schuljahren heben wir den
Zweck des Religionsunterrichts, Hinführung der Kinder in die Lebensgemeinschaft

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