Vorschläge zu einer Reform des Religionsunterrichts. 205
mit Jesu, noch ganz besonders hervor durch Einführung der Schüler in eines
der Evangelien, in dem einen Jahre des Matthäus, in dem andern Jahre
des Lukas.
Die Ausführung denken wir uns etwa folgendermaßen: An jedem Samstag
bringen die Kinder ein Neues Testament und das Gesangbuch mit. Um 11
Uhr wird der gewöhnliche Unterrichtsbetrieb geschloffen; alle äußeren Anordnungen,
welche sich auf Regierung und Unterricht beziehen, sind erledigt. Nun schreibt
der Lehrer das Lied nach Nummer und Strophe an, welches zu dem zur Be
handlung stehenden Abschnitte paßt; die Kinder schlagen Lied und Bibelabschnitt
auf. Nun beginnt die Erbauungsstunde mit Gesang und einem freien Gebet,
das sich an den Bibelabschnitt bezw. an das gesungene Lied anlehnt. Hierauf
giebt der Lehrer eine kurze Einleitung zum Bibelabschnitt. Nunmehr beginnt
das Lesen von seiten der Kinder mit freier Zwischenrede von seiten des Lehrers,
ähnlich, wie Witt es ausgeführt hat in seinem vortrefflichen Werke: ,,Die bib
lischen Geschichten mit Bibelwort und freier Zwischenrede." *) An geeigneter
Stelle wird die Betrachtung zweckmäßig durch das Singen eines Liederverses
belebt. Am Schluffe faßt der Lehrer das Dargebotene in freiem Vortrage
zusammen. Mit Gesang und Gebet wird geschloffen, und die Kinder verlaffen
geräuschlos die Schule.
Als Resultat unserer Untersuchung dürfte sich folgendes ergeben haben:
1. Der herkömmliche Religionsunterricht leidet an einem didaktischen
Materialismus schlimmster Art.
2. Dieser ist durch Beschneiden der vorgeschriebenen Stoffe nicht zu
beseitigen.
3. Er kann beseitigt werden, indem man die konzentrischen Kreise durch den
historisch-genetischen Lehrgang ersetzt.
4. Unsere Kinder sind Christenkinder; darum muß ihnen auch im Alten
Testanieute Jesus gezeigt, dasselbe also christozentrisch behandelt werden.
5. Um eine christozentrische Betrachtung des Alten Testamentes zu ermög
lichen, muß der Behandlung desselben ein elementares Lebensbild Jesu vorausgehen.
6. Weil die biblischen Geschichten weder in Bezug auf den Inhalt,
noch in Bezug auf die Form dem Standpunkte ungeschulter sechsjähriger Kinder
entsprechen, lasten wir dem Religionsunterrichte einen nach dem jeweiligen Be
dürfnis bemessenen Vorbereitungskursus vorausgehen.
ff Witt, H., Die bibl. Geschichten Alten und Neuen Testaments mit Bibelwort und
freier Zwischenrede anschaulich dargestellt. Ein Hilfsbuch zum erbaulichen Betrachten
und lebendigen Erzählen derselben. Gütersloh, C. Bertelsmann. Drei Bände. 2. Aust.
1. u. 2. Band. Altes Testament. 3. Band. Neues Testament. Jeder Band 4 M.,
geb. 5 M.

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