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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Monistisch ist ferner der Idealismus, der das Ich als das einzige
Reale in der Welt ansieht. Die Welt ist nur in der Vorstellung vorhanden.
Wie man zu dieser dem gesunden Menschenverstände ungeheuerlichen Auffassung
kommt, ist leicht ersichtlich. Die ganze Welt der Erscheinung ist uns ja nur in
der Vorstellung gegeben. Unmittelbar wissen wir nur von unsern eigenen Zu
ständen. Dabei glaubt man stehen bleiben zu müssen. Das Ich produziert sich
seine Welt. Ist das aber denkbar? Nur wenn man das Kausalgesetz als. nicht
vorhanden betrachtet, kann man auf einen solchen Gedanken verfallen. Wo liegt
die Ursache, daß das eine Ich jetzt die Vorstellung rot, dann die des Grünen,
des Runden u. s. w. erzeugt? Wo verschiedene Wirkungen sich zeigen, muß auch
eine Verschiedenheit der Ursachen vorhanden sein. Das Ich kann nichts rein
aus sich selbst erzeugen, es muß durch eine äußere Ursache dazu angeregt werden,
und da die Außenwelt als eine Mannigfaltigkeit sich uns kundgiebt, so kann diese
nicht bloßer Schein sein, vielmehr nötigt die Vielheit der Erscheinungen auch
eine Vielheit des Seins anzunehmen.
So führt uns die strenge Anwendung des Kausalitätsgesetzes dazu: 1. die
Wirklichkeit einer Außenwelt zu bejahen, 2. diese Außenwelt nicht als strenge
Einheit, sondern als Mannigfaltigkeit zu denken. Wir kommen vom Monismus
zum Pluralismus. Aber noch einige Schritte weiter führt uns der logische Ge
dankengang. Die Elemente, aus denen sich die Welt zusammensetzt, müssen unter
einander verschieden sein. Bei vollkommen gleicher Qualität könnte kein-
Wesen dem andern etwas Neues bieten, und eine Entwicklung wäre unmöglich.
Die Elemente müssen ferner als mit einander in Verbindung stehend gedacht
werden. Wären sie isoliert, so könnte keines auf ein anderes einwirken, es bliebe
in alle Ewigkeit, was es einmal ist. Ferner muß die Zahl der Urrealitäten,
wenn auch noch so groß, endlich sein. Denn Unendlichkeit ist ein Prädikat,
das immer nur von Gedankendingen, niemals von Wirklichkeiten ausgesagt werden
kann. Diese Gedanken, weiter ausgeführt, bilden die Grundzüge der Meta
Physik Herbarts.
3. Psychologischen Monismus hat man die Lehre Herbarts genannt,
wonach das Vorstellen die Grundfunktion des Seelenlebens ist, Fühlen und
Wollen aber abgeleitete Seelenzustände sind, die aus der Wechselwirkung der
Empfindungen und Vorstellungen entspringen. Man hat die Möglichkeit solcher
Ableitung bestritten, da doch Fühlen und Wollen vom Vorstellen gänzlich ver
schieden seien. Aber das ist kein begründeter Einwand. Die Chemie zeigt doch
zur Genüge, wie durch die Verbindung von Elementen Stoffe mit vollständig
neuen Eigenschaften entstehen, denen niemand ihre Herkunft ansehen kann. Wenn
mehrere Töne sich miteinander verbinden, so entsteht eine Harmonie oder Dis
harmonie, die weder dem einen, noch dem andern der Töne innewohnt, sondern
erst durch ihren Zusammenklang hervorgebracht wird. Warum also soll es un
möglich sein, daß durch das Zusammenwirken von Vorstellungen etwas Neues,
Fühlen und Wollen, entsteht? Dann aber weist auch die Erfahrung deutlich auf
die Entstehung des Gefühls aus den Vorstellungen hin. Frage ich z. B. zwei
Personen nach dem Wetter, und der eine antwortet: „Es regnet", der andre
aber sagt: „Es ist klares Wetter", so wird dadurch in mir das Gefühl des
Zweifels hervorgerufen, das nicht durch die eine oder andere Antwort allein
verursacht worden wäre, sondern erst dadurch entstanden ist, daß zwei widerstreitende
Vorstellungen aufeinander getroffen sind.

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