Monismus und Pluralismus.
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Die Einwendungen, die man dagegen erhebt, stützen sich meist auf Lotze,
der meint, durch die Herbartsche Theorie werde die Seele zum passiven Spiel
platz der Vorstellungen. Das ist aber ein grober Irrtum. Nach Herbart ver
hält sich die Seele nie passiv. Was sich in ihr abspielt, sei es Vorstellen,
Fühlen oder Wollen, ist stets der ganze Ausdruck ihres Selbst. Sie steht nicht
hinter ihren Zuständen, sondern thut sich in ihnen kund. Dabei sind noch zwei
Mißverständnisse zu beseitigen. Man hat gesagt: Nach Herbart sind die Vor
stellungen das Ursprüngliche, Primäre, die Gefühle und der Wille das Abge
leitete, Sekundäre. Folglich muß es im Leben der Seele einmal eine Zeit ge
geben haben, wo es bloß Vorstellungen in ihr gab und weiter nichts. Das
ist ein Irrtum. Wie fast überall das Zusammengesetzte (z. B. Wasser, das
aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht) das erste ist, so auch wohl im Seelen
leben. Das erste, was in der Kindesseele sich bildet, sind Komplexe, aus denen
erst nach und nach das Vorstellen. Fühlen und Wollen sich zu klarer Bestimmt
heit entwickelt. Ein zweites Mißverständnis liegt darin, daß nach Herbart die
Empfindung etwas Einfaches sein soll. Das hat Herbart nie behauptet. Er
sagt vielmehr, sie sei das für unsere Analyse erreichbare Einfache, wobei also
nicht ausgeschlossen ist, daß die Empfindung wieder etwas Zusammengesetztes ist.
Kurz, im Seelenleben sind alle Zustände stets miteinander verbunden, je nachdem
aber die eine oder andere Seite vorherrscht, sprechen wir von Vorstellen, Fühlen
und Wollen.
4. Man bezeichnet anch den Darwinismus als Monismus. Man
will damit diese Weltanschauung als eine einheitliche, in sich geschlossene
kennzeichnen, die keines Schöpfers bedürfe, keinen Eingriff einer außerweltlichen
Intelligenz zulasse. Die ganze Welt, wie sie uns gegeben ist, soll durch das
blinde Wallen der Naturgesetze entstanden sein. Betrachtet man aber diese
Weltansicht genauer, so wird man finden, daß sie mehrfach gegen ihr eigenes
Prinzip verstößt und die Intelligenz auf einem Umwege wieder einführt.
Man rühmt heute den Scharfsinn der Chemiker, die es fertig gebracht
haben, aus unorganischen Substanzen organische herzustellen. Was hier erst durch
die menschliche Intelligenz zustande gebracht wird, das geschieht in der Natur alle
Tage und in noch viel höherem Grade. Man denke nur an die Bildung einer
Zelle. Und diese wunderbare Zusammensetzung, die kein Mensch nachzumachen
fähig ist, soll durch Zufall entstanden sein? Man mache sich einmal an einem
Beispiele klar, was das heißt. Auf einem Tische liegen 30 Würfel, alle mit
der Eins nach oben. Wie find die Würfel in diese Lage gekommen? Eine
dreifache Möglichkeit ist denkbar. Erstens: Sie sind durch Zufall in die Lage
geraten; zweitens: Die Würfel sind denkende Wesen und wollten alle die Eins
nach oben kehren; drittens: Ein Mensch hat sie absichtlich so gelegt. Der erste
Fall ist nicht schlechthin unmöglich, aber im höchsten Grade unwahrscheinlich.
Man hat berechnet, daß 30 Millionen Menschen 30 Millionen Jahre lang mit
den Würfeln werfen müßten, ehe der genannte Fall einmal eintreten könnte.
Die Bildung einer Zelle aber ist noch viel unwuhrscheinlicher. Das sehen viele
Darwinisten auch ein und darum nehmen sie zur zweiten Möglichkeit ihre Zu-
stucht. Sie betrachten die letzten Elemente, die Atome, als intelligente Wesen.
Freilich soll ihnen als einzelnen die Intelligenz nur in minimaler Weise und
unbewußt innewohnen. Aber damit ist nichts geholfen. Sie sollen ja Dinge
verrichten, die unendlich weit über das hinausgehen, was die menschliche Intelligenz

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