Der Einfluß der Kultur auf die Entwicklung unserer Muttersprache. 21
Gegner gewachsen sein, ihn zu Boden werfen, ihn überwinden,
ihm überlegen sein, obliegen (alles ganz konkret zu verstehen), aber
auch unterliegen. Einem Freunde pflegte man den Rücken zu halten,
ihm Rückhalt zu geben, daß er dem Feinde gegenüber standhalte; man
konnte einen vorschieben, einem Vorschub leisten, sich hinter
einen stecken. Dem überwundenen Feinde setzte man den Fuß auf den
Nacken, es wurde ihm das Messer an die Kehle gesetzt, man ließ
ihn, eigtl. sein Haupt, über die Klinge springen (z. B. in einem Fast
nachtsspiel: dein haupt muosz dir über ein swertklingen hopfen); man
drückte ihm den Daumen aufs Auge, um es auszudrücken oder ihm
eins (ein Auge) auszuwischen, und das abgeschlagene Haupt benutzte man
wohl als Schale zum Trinken (Hirnschale). Der Besiegle ergiebt sich dem
Sieger, er giebt sich ihm zu Frieden (davon sich zufrieden geben).
Dem Getöteten nahm man Waffen und Kleider ab (vgl. unser Raub mit dem
aus dem Deutschen entlehnten frz. robe), von denen der Führer den Vor-teil
bekam.
Eine große Anzahl übertragener Redewendungen knüpft sich an den ritter
lichen Kampf; die meisten sind bekannt. Ich erwähne: in die Schranken
treten, einen in die Schranken fordern, den Fehdehandschuh
hinwerfen, ins Zeug (Turnierzeug) gehen, die Spitze (der Lanze)
bieten, mit einem eine Lanze brechen, für einen eine Lanze
einlegen, einen aus dem Sattel heben, mit geschlossenem Visier
kämpfen, Stich (der Lanze aus-) halten, stichhaltig sein, in allen
Sätteln gerecht (gerichtet) sein, einen auf den Sand setzen, sich
die Sporen verdienen, jemand die Stange halten, sich zur Wehr
(auf das Roß) setzen, sich widersetzen, aufgebracht (auf das Pferd)
oder aufsässig sein, in Harnisch bringen (d. i. einen nötigen, den
Harnisch anzulegen; vgl. dazu die bayrische Redensart: einen reitend d. i.
zornig machen)?) Der im Turnierkampfe Besiegte wurde entwaffnet und mußte
seine Rüstung im Stiche lassen d. i. verlieren; er wurde entrüstet und
war daher nicht gerade in der angenehmsten Gemütsverfassung, wenn nicht die
Gnade des Siegers ihm das preisgegebene d. i. als Preis (frz. pris
von prendre) gegebene Gewaffen zurückgab. Beim Beginn des Kampfes erhob
der Ritter den Schild mit dem Wappenbilde, das er im Schilde führte?)
st Das Wort stechen als Ausdruck für ritterliche Übungen und Spiele wurde
auch auf andere Spiele übertragen. Die Kartenspieler machen Stiche, zwei stechen
in zweifelhaften Fällen einander. Auch in Stichwahl denkt man die Gegner als
einander stechend. Auf den vom Ziele abweichenden Stich deutet sodann die Redens
art: einen Abstecher machen.
2 ) Merkwürdigerweise verbindet man mit der Redensart heute eine heimliche, ver-

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