210
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
zu leisten vermag. Es müßte ihnen nicht bloß ein Streben nach Vervoll
kommnung eigen sein, sie müßten auch mit den andern Wesen in Verbindung
treten können, um mit ihnen zu beraten und sich zu bestimmten Zwecken zu ver
einigen. Die Atome müßten Götter sein. Es hilft auch nichts, daß man der
Natur als Ganzes die Intelligenz zuschreibt, daß man sie als die gütige Allmutter '
Preist, die für alles Vorsorge treffe u. s. w. Das sind leere Redensarten. Denn
die Natur als Ganzes ist doch wiederum nichts anderes als die Zusammen
fassung der Atome. So ist der Monismus überall genötigt, seine Zuflucht zur
Intelligenz zu nehmen, wenn er eine Erklärung der Welt geben will. Aber
er sucht die Intelligenz immer an der verkehrten Stelle.
Die einfachste und zugleich naturgemäßeste Erklärung ergiebt sich, wenn
man eine göttliche Intelligenz annimmt. Der widerspruchsvolle Begriff der
„unbewußten" Intelligenz, mit dem der Monismus operiert, wird dann ver
mieden. Wie und wie oft diese schöpferische Intelligenz eingegriffen hat und
eingreift, läßt sich nicht feststellen. Man kann ein fortdauerndes Einwirken, ein
mehrmaliges und ein einmaliges Eingreifen annehmen. Du Bois-Reymond
hält einen einmaligen schöpferischen Akt für ausreichend, der Biologe Reinke*)
betont, daß zum mindesten bei der Entstehung der Organismen ein zweiter Ein
griff notwendig gewesen sei. Jedenfalls ist die Möglichkeit denkbar, daß Gott
von Anfang an die Welt so eingerichtet hat, daß sie zu einem bestimmten Ziele
hin sich entwickelt. So steckt die göttliche Intelligenz verborgen in der Welt
wie die Intelligenz des Erfinders in der Maschine.
„Den Künstler wird man nicht gewahr, bescheiden
Verbirgt er sich in ewige Gesetze.
Die sieht der Freigeist, doch nicht ihn:
Wozu ein Gott? spricht er, die Welt ist sich genug!
Und keines Christen Andacht hat ihn mehr
Als dieses Freigeists Lästerung gepriesen." (Schiller, Don Carlos).
W. Fick.
Dörpfelds zweites Enchiridion (Heilslehre).
Mitteilung des Herausgebers.
Eine ganz besondere Freude ist mir völlig unvermutet durch unten stehendes
Schreiben zu teil geworden, eine um so größere, als ich bisher nur erst von zwei
oder drei Stellen aus ein wirklich befriedigendes Urteil über den letzten Baud
von Dörpfelds Gesammelten Schriften zu hören bekommen habe. Ich möchte
die Leser an dieser Freude teilnehmen lassen.
Sehr geehrter Herr Doktor!
S. 6 der Heilslehre: Sollte das zweite Enchiridion auch in pfarramtlichen Kreisen
einer genaueren Prüfung gewürdigt werden, so würde mich das nicht wenig freuen;
namentlich würden auch gutachtliche Äußerungen von dieser Seite mir sehr will
kommen sein."
Da es nicht mehr möglich ist dem Heimgegangenen Verfasser des zweiten Enchiridion
die Freude zu bereiten, von der er oben spricht und ihm die Äußerungen zukommen
zu lasten, gestatte ich mir, Ihnen verehrter Herr Doktor, zunächst meine Freude und
meinen Dank für Herausgabe des vortrefflichen Buches auszudrücken, das mir nun ein
halbes Jahr fast ein täglicher Genosse gewesen ist.
0 Über Reinkes treffliches Werk „Die Welt als That" ist im vorigen Jahr
gang dieser Zeitschrift eingehend berichtet worden.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.