Dörpfelds zweites Enchiridion (Heilslehre''.
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Dörpfelds Heilslehre dem Konfirmandenunterrichte zu Grunde zu legen trug ich
allerdings mancherlei Bedenken, auch erklärte mir mein Schwiegervater, Prof. D. Orten
tag in Salzwedel, daß er das Buch — er habe bei mir einige Stunden drin gelesen —
etwa für die Obertertia oder Untersekunda im Gymnasium nehmen würde — aber der
eigentümliche Reiz des Buches ließ mir keine Ruhe, bis ich mit meinen dörflichen
Konfirmanden den Versuch machte. Es mußten ja manche Partien gekürzt werden,
manche Fragen leichter gestellt werden, aber im großen und ganzen bin ich doch dem
Gange und im einzelnen ungefähr der Methode gefolgt — und war überrascht, wie
die Kinder mit wachsendem Interesse folgten, nicht bloß die begabteren. Freilich muß
ja für den Konfirmanden-Unterricht die Sakramentslehre ausführlicher behandelt werden,
ich habe es vorgezogen das nicht an der Stelle zu thun, die die Sakramente erwähnt,
sondern nach Abschluß der Heilsgeschichte anhangsweise nach dem lutherischen Katechis
mus, aber so, daß die letzten Stunden doch wieder auf zusammenfassende Betrachtung
der Heilsgeschichte verwendet werden. Eins wird Sie freilich entsetzen: ich habe nicht
mit der Schöpfung, sondern gleich mit der zweiten Heilsthat, Abraham, angefangen,
weil ich mich nicht zu der Opfertheorie in I bekennen konnte. Das, was I wesentlich
ist, die Änderung im Ebenbild Gottes, läßt sich ja nachher bei der Wiederherstellung des
Ebenbildes Gottes ropeteuäo anbringen.
Alles in allem hoffe ich ein Jahr ums andere das zweite Enchiridion zu nehmen.
Aus Dörpfelds gesammelten Werken hat mir übrigens der Katechismus für
Hausväter und Hausmütter die Anregung gegeben, im letzten Oktober bei der
Kreissynode Stendal den Antrag zu stellen, Synode wolle beschließen allen Eltern bei
Gelegenheit der Taufe eine Schrift über Erziehung der Kinder in die Hand zu geben,
die bei der nächsten Synode zunächst im Entwurf vorzulegen und dann nach Annahme
durch die Synode und eventl. Umänderung sofort zu drucken ist. Der Antrag wurde
sehr willkommen geheißen. Ich habe mit reiflicher Überlegung nicht, wie es die Herren
Rektoren in Barmen gethan, die Dörpfeldsche Schrift empfohlen, einmal, weil ja Dörp-
feld hier nicht die allgemeine und lokale Autorität in Erziehungsfragen ist wie bei
Ihnen in Barmen und sodann, um gerade durch die Vorlegung eines Entwurfs den
Synodalen, namentlich den Laien Gelegenheit zu geben, ihre Ansichten und Wünsche
zu äußern.
Den bis dahin mir unbekannten Herrn Briefschreiber bat ich, sein mich
überraschendes günstiges Urteil für die Schulblattleser näher darzulegen. Aus
wohl verständlichen Gründen lehnte er diese Bitte einstweilen ab, übersandte aber
dafür eine kleine Konfirmandenprüfungs-Rede und gestattete seinen Brief zu
veröffentlichen.
Herr zeige mir deine Wege.
Ansprache vor der Konfirmandenprüfung *) von B. Klähre, Pfarrer in Berkau (Altmark).
Text: Psalm 25, 3 ff.
Lieben Eltern und Paten dieser Kinder! Teure Gemeinde!
Zwischen Taufstein und Altar seht ihr diese Kinder versammelt, wie sie auch
auf ihrem Lebenswege nun stehen zwischen dem Empfange des Sakraments der
heiligen Taufe und dem erstmaligen Genusse des heiligen Abendmahls. Ihr
Eltern und Paten wisset euch zu erinnern an den Tag der Taufe, ihr Kinder
wißt es von euren Eltern, daß ihr getauft seid. Aber die Taufe ist noch nicht
vollendet mit der Wasserbesprengung: Waffer allein thut es nicht, sondern das
Wort Gottes, so mit und bei dem Waffer ist und der Glaube, der solchem
Worte Gottes im Wasser trauet. Ihr lieben Kinder! Diesen Glauben, dieses
Trauen auf des lebendigen Gottes Gnade, das haben wir, eure Lehrer in der
Schule und im Konfirmandenunterricht, unterstützt meistens von der häuslichen
. ff Der betr. Jahrgang hatte den Unterricht rc. im Anschluß an Dörpfelds Heilslehre
aus Grund der Heilsgeschichte erhalten.

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