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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulmesensrc.
Mitsorge eurer Eltern, in euch zu pflanzen gesucht. Die kleinen, unmündigen
Kinder wurden getauft allein in der Erwartung, daß sie zum Glauben kommen
und die Berufung annehmen würden, die ihnen bei der Taufe zu teil geworden
ist. Nun ist der Unterricht zu einem gewissen Abschluß gekommen, jetzt ist die
Stunde hier, daß ihr vor der christlichen Gemeinde Zeugnis ablegen sollt von ■
eurem Glauben, von der Erkenntnis des Heils, wie ihr sie erfaßt habt. Ja,
von der Erkenntnis des Heils, die ihr erfaßt habt. Denn das ist freilich nicht
unsere Meinung, daß nun alles bei euch fertig ist, daß in den Schatzkammern
des Wortes Gottes keine suchenswerten Kleinodien mehr für euch liegen. Das
ist nicht meine Meinung, daß aus Bibel und Gesangbuch euch alles zugeführt
worden ist zur Speise eurer Seelen und nichts mehr übrig für kommenden
Hunger. Auch das denke niemand, daß in, mit und unten den einfachen Worten
des kleinen Katechismus nicht noch manche Perle ruht, deren Glanz sich in dunkler
Zeit erst zeigen wird — selbst Dr. Luther hat erzählt, daß er oftmals als
Mann sich den kleinen Katechismus aufgesagt habe als ein Gebet zur Glaubens
stärkung. Wie traurig, wenn junge Christen meinen, sie hätten nach dem
Abschluß des Konfirmandenunterrichts nun nichts mehr hinzuzugewinnen und zu
erringen zu dem Schatze ihrer Heilserkenntnis. Das Lernen hört auch nach der
Schule nicht auf, sollte nur das Glaubensleben etwas sein, das nicht mehr zu
nimmt, nicht weiter in die Tiefe des Herzens Wurzeln schickt, nicht reichlicher
mehr au das Licht des Tages Früchte bringt, Früchte des Geistes? So seid
ihr nicht gelehrt, liebe Konfirmanden, zu denken von euren Kenntnissen!
Aber andrerseits haben wir, eure Lehrer, in diesen Jahren, wie wir hoffen
zu Gott, in euren Seelen einen guten Grund gelegt, und auf diesem Grunde
gilt es dann weiter zu bauen. Die Wege Gottes in den Führungen der Völker
sind euch gezeigt, Gottes Heilsthaten euch gewiesen von dem Erbarmen über den
ersten Menschen an bis zur Wiederherstellung Seines Ebenbildes durch den
Sohn, bis zur Gründung des Gottesreiches durch die Pfingstausgießung des
Heiligen Geistes, bis zu dem Ausblick aus die einstige Vollendung des Reichs —
diese Heilswege Gottes durch Herzensfinsternisse und Völkerirrtümer hindurch, die
kennet ihr — aber dennoch bleibt es eure Aufgabe, die niemand euch abnehmen
kann für euer eigenes Leben, den Herrn anzurufen, wie unser Psalm es thut:
„Herr zeige mir Deine Wege und lehre mich Deine Steige. Leite mich in
Deiner Wahrheit und lehre mich. Denn Du bist der Gott, der mir hilft.
Täglich harre ich Dein."
„Herr zeige mir Deine Wege und lehre mich Deine Steige." In einem
Buche las ich einst die Lebensgeschichte eines berühmten evangelischen Lehrers und
Rektors; von ihm erzählte seine erwachsene Tochter: „Unserem Vater ist sein Kon
firmationsspruch lieb und teuer gewesen. In unserer Kinderzeit betete eins von
uns diesen Spruch jeden Abend laut zu Tische, er wurde dadurch auch uns lieb
und vertraut. Noch in der Sterbestunde unsers Vaters hing der Spruch über
seinem Bett." Und welches war der Spruch? Hier aus Ps. 25, 3 u. 4 „Denn
keiner wird zu schänden, der Deiner harrt, aber zu schänden müssen sie werden,
die losen Verächter. Herr zeige mir Deine Wege und lehre mich Deine Steige."
Wenn so jener fromme erprobte Mann bis an sein Lebensende diesen Spruch
als Leitstern behielt und gern Gott anrief: zeige mir Deine Wege: wohl euch,
wenn auch ihr, lieben Kinder, immer wieder von neuem euch Licht und Kraft
erbittet für euren Lebensweg. Gottes Güte und Barmherzigkeit ist ja nicht bloß

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