22
I. Abteilung. Abhandlungen.
Der stolze Ritter setzt sich aufs hohe Roß, er ist hochtrabend und
sieht auf andere von oben herab. Als geübter Reiter darf er es
wagen, nachzugeben d. i. dem Rosse die Zügel nachzugeben oder gar die
Zügel schießen zu lassen, die er aber beim Wildwerden^ des Rosses kurz
fassen, kurz halten muß, besonders, wenn es versucht, sich auf die
Hinterbeine zu setzen. Auf die Rittertracht weisen die Redensarten:
etwas aus dem Ärmel schütteln, auf großem Fuße leben, ge
stiefelt und gespornt sein. Den höfischen Sitten verdanken wir sodann:
sich alles herausnehmen (nämlich aus der Schüssel), einem das Wasser
reichen (zum Waschen der Hände beim Essen), jemandem heimleuchten
und durch fallen. Im Korbe zogen die Burgfrauen ihren Liebhaber empor;
den ihnen lästigen aber ließen sie in einen mit einem schwachen Boden versehenen
Korb steigen, der dann beim Emporziehen brach, und der unglückliche Insasse
fiel hindurch. Das erklärt die Wendungen: mit einem Antrag durch
fallen, in der Prüfung durchfalleu, bei einer Bewerbung
durchfallen, unten durch sein. Später wurde es Sitte, dem ungern
gesehenen Bewerber einen Korb mit leerem Boden zu senden, daher: einen
Korb geben, erhalten, sich holen.
Nach dem Niedergang des Rittertums entstanden Berufsfechter, die bei
Bolksbelustigungen und Schaustellungen auftraten und daneben auch Fechten
lehrten. Ein Fechter muß schlagfertig sein, festen Fuß fassen. Wenn
man ihm scharf zu Leibe rückt und es alsdann scharf hergeht, muß er
dem Gegner die rechte Seite abgewinnen und vor allem bei der
Stange bleiben d. i. der Parierstange, auch darf er sich nicht verhauen
oder gar so fechten, daß man sagen muß: es ist nicht gehauen und nicht
gestochen. Die Streiche müssen dem gesetzmäßigen Schwingen entsprechen, also
im Schwange sein. Entehrend ist es für den Fechter, schlechte Streiche
zu führen oder zu machen. Oft gelingt es dem Gegner, durch geschickt zu
Boden geführte Streiche Sand aufzuwirbeln, also ihm Sand in die Augen
zu streuen, ein Fechterkniff wie ein anderer noch weniger zarter, nämlich den
Gegner durch einen betäubenden Schlag übers Ohr zu hauen. Dies gelang
aber nur, wenn sich der Gegner bloßgestellt oder dem Feinde eine Blöße
gegeben hatte (heute sagt man unrichtig: sich eine Blöße geben), der dann
eine gute Klinge schlagen und durch einen gutgeführten letzten Hieb den
Ausschlag geben konnte. Beim Beginn des Fechtens nahm man unter Be
obachtung gewiffer Formalitäten nach der Bestimmung des Loses die auf den
steckte Absicht. Aus der Zeit der Raubritter stammt die Wendung Böses im
Schilde führen. — An dem Schilde erkennt man den Ritter; damit hängt das
Aushängeschild, das Schild am Wirtshaus u. a. zusammen.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.