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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens :c.
III. Das Verhältnis der beiden Teile wird dann weiterhin so zu bestimmen
sein, daß die Allgemeinbildung den Unterbau darstellt, der in der Vorbereitungs
anstalt auf das Seminar zu einem relativen Abschluß gelangt. Das Seminar
bedeutet den Oberbau, der die Berufsbildung übernimmt und die Allgemeinbildung
in angemessener Weise weiterführt.
b) Folgerungen für die Organisation.
I. Die neuen preußischen Vorschriften verteilen die beiden Ausgaben der
Lehrerbildung auf zwei von einander getrennte Anstalten:
1. Die Präparand enan stalt, die sich an den achtjährigen Gang der
Volksschule anschließt und drei aufsteigende Klassen umfaßt.
2. Das Lehrer-Seminar, das — wie bisher — in drei aufsteigenden
Klassen seinen Aufgaben nachgeht.
II. Davon abweichend ist das sächsische System organisiert. Hier bauen
sich zwar die sechs Jahrgänge der Lehrerbildung ebenfalls auf der Volksschule auf,
sind aber in einer großen Anstalt vereinigt, und zwar so daß die drei unteren
Klassen der Allgemeinbildung, die drei oberen Klassen neben derselben der Berufs
bildung zu dienen haben.
III. Wir geben dem preußischen System den Vorzug und zwar aus
folgenden Gründen:
1. I. a. sind kleinere Schulganze den sogenannten Schulkasernen vorzuziehen,
weil in kleineren Kreisen die Durchdringung der einzelnen Glieder mit dem Geiste
der Anstalt leichter, die Geschlosienheit der Arbeit größer, die Einheitlichkeit des
Lehrerkollegiums eher zu erreichen und damit die innere Lebenskraft der Schul
gemeinde besser zu fördern ist.
2. Für den Leiter des Fachseminars liegt ohne Zweifel der Schwerpunkt in
der pädagogischen Ausbildung der jungen Leute. Alles, was geeignet ist, ihn
von dieser Aufgabe abzuziehen, muß im Interesse der Seminaristen vermieden
werden. Eine große Anstalt, in der auch die Vorbereitungsstufen zum Seminar
eingeschlossen sind, mit ihrem großen Verwaltungsapparat u. s. w. muß der
Intensität der Arbeit des Seminardirektors Eintrag thun.
3. Zwischen den unteren und oberen Stufen der Lehrerbildung findet nicht
bloß in unterrichtlicher, sondern auch in erziehlich-disciplinarischer Beziehung ein
tiefgehender Unterschied statt. In der Vorbereitungsanstalt zum Seminar handelt
es sich um Knaben, die noch strenger Aufsicht und Führung bedürfen; im Fach
seminar aber um Jünglinge, die in freier und selbständiger Weise ihre Selbst
erziehung übernommen haben unter dem Schutze ihrer Lehrer. Eine Verbindung
dieser verschiedenen Elemente in einer Anstalt ist der Charakterbildung nicht günstig;
Mißgriffe von seiten der Lehrer, etwa so, daß sie den strengeren Ton der unteren
Klassen auch in die oberen hineintragen, liegen nur zu nahe.
4. Die preußische Organisation ist entwickelungsfähiger, als die sächsische,
insofern die dreiklassige Präparanden-Anstalt später zu einer vier- und fünfklassigen
Schule ausgebaut werden kann. Das sächsische System kann gewiß auch erweitert
werden; aber mit jedem neuen Ring, der hier angesetzt wird, vergrößert sich die
Schulkaserne mit all den Nachteilen, die sie mit sich führt.
5. Das preußische System gleicht der Organisation der meisten übrigen
Berufszweige, in denen Allgemein- und Fachbildung verschiedenen Anstalten über
wiesen sind, z. B.

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