1. Abteilung. Abhandlungen.
Über volkstümliche Bildung.
Konferenzvortrag von Rektor Horn in Orsoy.
Das Wort Bildung stammt von Bild. Dieses bedeutet nach Weigand:
sichtbare Dar- und Vorstellung von etwas, sich darstellendes Wesen, Person,
z. B. das Frauen-, Manns-, Weibsbild. Davon ist abgeleitet bilden, zur
Dar- und Vorstellung geeignet machen, (abstr.) geistig veredeln, vom Plural
bildern, in einem Bilderbuche blättern, sich in Bildern ausdrücken. Der
Bildner ist der zur sichtbaren Darstellung schaffende Künstler, dann der geistig
Veredelnde. Von bilden sind abgeleitet: der Bilder - Bildner, das Bildnis
= wiedergebendes Bild, die Bildung - das Geeignetmachen zur Darstellung,
die geistige Veredlung?)
In seinem vorzüglichen Artikel über Bildung in Neins Encyklopädischem
Wörterbuche weist Prof. Paulsen darauf hin, daß die ältere Sprache die Wörter
bilden, Bildner, Bildung vorzugsweise von der technisch-künstlerischen Formgebung
gebraucht hat. In übertragener Bedeutung wurden darnach Bildung, Bild von
der innerlich angeschauten Gestalt, der Vorstellung, Idee, gebraucht, wie auch sich
bilden, ausbilden, von der allmählichen Ausgestaltung eines organischen Wesens
gebraucht und diese damit gleichsam als Thätigkeit eines immanenten künstlerischen
Princips aufgefaßt wird.
An diese Auffassung lehnt sich die Bedeutung an, die die Wörter bilden,
Bildung in der neueren Pädagogik haben und die ihnen erst in der zweiten
Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, und zwar durch Herder und Pestalozzi,
gegeben wurde. Paulsen sagt: „Pestalozzi und Herder sind, so viel ich sehe,
die ersten Schriftsteller, bei denen Bildung zum ständigen Ausdruck sowohl für
die Thätigkeit des Erziehers und Lehrers, als für ihr Ergebnis, die innere Form
*) Das Wort Bild ist althochdeutsch piladi, pilidi, bilidi, mittelhochdeutsch bilde,
von einem nur zu vermutenden gotischen Wurzelverb herstammend, von dem bil =
Spitzhacke zum Steinhauen, und von dem wieder bitten = behauen, glätten abgeleitet
ist. Von piladi stammt piladon, das mhd., und unser bilden, und von diesem bilidari,
mhd. bildaira, unser Bildner, dann später auch pildunga, bildunga — Vorstellung,
Einbildung. Dieses pildunga, bildunga, unser Bildung, kommt zuerst bei Notker
(952—1022) vor.

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