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I. Abteilung. Abhandlungen.
(einen Kreis schlagen). Der Richter saß (daher Sitzung) in der Mitte
auf dem Richterstuhl, die Schöffen im Halbkreis auf einer Bank, der
Schöfsenbank. Zu dem Rechtshandel, der Sache (von ahd. saotisn
streiten), einem wie Thing zu allgemeiner Bedeutung herabgesunkenen Worte,
war der Widersacher, dem ein Sachwalter zur Seite stehen konnte,
dingfest gemacht worden. Die Sache mußte man während eines Tages zu
Ende bringen, ahd. tagedingen mhd. teidingen. Davon entstand das
Wort verteidigen (mhd. vertagedingen, verteidingen), offenbar in dem
Sinn, durch Klarlegen der Reden (vgl. Narretei ding) darauf hinwirken, daß
die Sache in dem Tageding ihr Ende findet. Von den Gerichtssitzungen hat
sich das Wort Tag als Bezeichnung für Versammlungen (Lehrertag) und
Körperschaften (Landtag, Reichstag) erhalten; auch bethätigen (mhd. b>6-
tagsdingsu, betädingen), das man fälschlich von That abzuleiten geneigt ist,
gehört hierher. Der Kläger erhebt beim Beginn der Verhandlung das Weh
geschrei, die Klage, um dem Gericht das Unrecht zu klagen. Bei schweren
Vergehen wird der Beklagte verschrieen oder verrufen, er ist dann (in
niederdeutscher Form ausgedrückt) verrucht/) berüchtigt, anrüchig; die
That wird ruchbar, er selbst kommt in schlechtes Gerücht oder in
schlechten Geruch, er hat einen schlechten Ruf. Zur Verhandlung
sind Zeugen nötig, die man in Wirklichkeit zuzieht (als Zeugen zu
ziehen) oder gar an den Ohren zieht (einen an den Ohren kriegen).
Die Schöffen (ahd. seapllin) schaffen oder finden das Recht (für Recht
finden), sie teilen jedem das Recht aus (ahd. ur von got. us = aus, da
her urteilen). Der Verurteilte kann das Recht schelten, ein schöffenbarer
Mann aus dem Umstand, den umstehenden Mark- und Gaugenossen, durfte
das Urteil zu Recht weisen (einen zurechtweisen). Die Urteilenden
hatten sich überhaupt nacb den Umständen zu richten oder den Um
ständen Folge zu leisten; dadurch wurde die „Sache" umständliche
es wurden viele Umstände gemacht. Die Zeugen, denen Eides
helfer zur Seite standen, schwuren unter Anrufung von Stein und
Bein (Stein ist Sinnbild der Gottheit — lat. Jovem lapidem inrare-
vgl. Donars Steinhammer — Bein deutet auf die Gebeine der Heiligen, die
man anrührte). Nach der Verurteilung mußte der Richter zum Zeichen, daß
der Verurteilte aus der Rechtsgemeinschaft ausgeschlossen war, über dem Ver
urteilten einen Stab brechen, den er wegwarf (wegwerfend urteilen).
In schweren Fällen konnte es an den Hals gehen, den Hals kosten,
an den Kragen gehen. Dann mußte der arme Sünder (den Hals) her-
*) f wird zu ch vor t (Gesetz des Lautwandels, vgl. Wilmanns Grammatik,
Bd. I, S. 212; Pauls Grundriß I, S. 726).

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