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Es ist aber auch von ernsten Gefahren begleitet, die sich schon daraus ergeben,
daß die sittlich-religiöse Entwicklung durch die Verhältnisse ungleich weniger be
günstigt wird als die intellektuelle, und daß die Hast der Entwicklung leichter zu
einer Aufnahme des Neuen von außen als zu einem Erwerb von innen heraus,
also leichter zur Halbbildung als zur Bildung führt.
Es ist außer Zweifel, daß die Bildungsfrage zu keiner Zeit so preffant
gewesen ist, als in der unsrigen, vielleicht waren auch selten die Anschauungen
über sie verwirrter und widerspruchsvoller und damit die Aussichten auf eine
allgemein befriedigende Lösung geringer als jetzt. Um so mehr ist es Pflicht
eines jeden, der an der Fortentwicklung unsers Volkslebens thätigen Anteil zu
nehmen berufen ist. sich klar zu werden über das Wesen der Bildung im
allgemeinen und über das der volkstümlichen Bildung im besondern, denn nur
so ist er imstande, gewisse Schritte zu thun, wenn er wahre Bildung und nicht
ihr Afterbild will erzeugen helfen.
Es hätte nahe gelegen, bei den einzelnen der vorstehenden Ausführungen
darauf hinzuweisen, welche Anforderungen sich aus ihnen für Leben unh Schule
ergeben. Ich habe dies zu thun unterlassen, weil meine Arbeit so schon den einem
Vortrag zustehenden Umfang überschreiten mußte, wofür ich um Ihre freundliche
Nachsicht zu bitten habe. Über die praktische Verwertung ist aber auch so viel
und so Bedeutsames zu sagen, daß sie zweckmäßig einer besondern Verhandlung
überlasten bleibt.
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens,
Biographien, Korrespondenzen, Lehrproben, Erfahrungen
aus dem Schul- und Lehrerleben.
Wie weit und in welcher Weise kann auch unter den
gegenwärtigen Verhältnissen die Individualität der
Schüler berücksichtigt und gepflegt werden?
Es ist ungemein erfreulich zu sehen, daß auch die Lehrer der höheren
Schulen sich mehr und mehr der eigentlichen Erziehungsfragen annehmen, daß
sie es nicht mehr wie früher vornehm abweisen, überhaupt einen Erzieherberuf
für sich anzuerkennen. Man sucht nun doch ernstlich auch das Unterrichts-
objekt der Schule selbst zu verstehen und die in ihm liegenden Bildungsbedin
gungen zu würdigen. Dafür legt eine Abhandlung des Oberlehrers Falk ein
schönes Zeugnis ab, die als Beilage zum 6. Jahresbericht der Städtischen Real
schule zu Düsseldorf jüngst veröffentlicht ist.

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