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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
getreten. Die früher möglichen Entbindungen von der Teilnahme an einzelnen
Fächern sind nicht mehr gestattet. Jeder muß in jedem Fach der Durchschnitts
forderung genügen und hat das durch die Prüfung zu bekunden.
Es thut not, zu größerer Einfachheit und Einheit des Unterrichts und zu
sorgfältiger Beobachtung und Schonung der besonderen Eigentümlichkeit des Zög-
lings zurückzukehren. Die allmählich aus Nachgiebigkeit gegen Zeitforderungen
angewachsene Mannigfaltigkeit des Lektionsplans, verbunden mit einer dem Klassen-
svstem widersprechenden Gleichstellung der Objekte, hat in vielen Fällen zur Über
bürdung und Verwirrung des jugendlichen Geistes werden müßen. Die Schul
bildung ist ganz encyklopädisch geworden, und vor dem Vielerlei von Kenntnissen
ist die Kraftentwicklung zurückgeblieben u. s. f."
Unterrichten fünf, sechs, sieben Lehrer in einer Klasse, so wird dadurch nicht
nur die Einheitlichkeit des Unterrichts und das persönliche Ansehen des Lehrers
gefährdet, sondern auch eine genauere Bekanntschaft und ein näheres Verhältnis
zwischen Lehrenden und Lernenden erschwert, ja verhindert. Das Interesse des
Lehrers für den einzelnen Schüler droht damit zu erlahmen, seine Liebe zu er
kalten. So würde er leicht vom Künstler zum Handwerker, vom Schulmeister
zum Stückarbeiter, vom Erzieher zum Stundengeber herabsinken.
Befreien können wir uns davon nur, wenn wir uns selbst zu starken
Individualitäten heranbilden, uns von jeder äußerlichen Routine des Unterrichtens
fern halten, vor allem aber dadurch, daß wir in ein natürliches, echt menschliches
Verhältnis zu unsern Schülern treten. Gerade uns Lehrern gilt des großen
Heidenapostels Mahnung: duäy.exe xrjv aycmrjv, die Liebe obenan!
Hier hat wieder einmal Jäger recht, wenn er ausführt, daß die Stärke
der Schule gerade darin liege, daß sie ihre Forderungen ohne Rücksicht auf die
Individualität an alle richte, daß das gleiche Gesetz, die gleiche Ordnung, die
gleiche Grammatik über reich und arm, Grafensohn und Schustersohn, Kluge
und Dumme walte, während die Stärke der Familienerziehung in der indi
viduellen Behandlung liege.
Sobald der Schüler in die Schule eintritt, wird sein Nationale auf
genommen: Name, Alter, Bekenntnis, früherer Schulbesuch, Stand des Vaters,
mit dem der ungefähre gesellschaftliche Kreis, aus dem er stammt, in etwa be
stimmt ist. Alles das wird man sich bald einprägen, auch vielleicht den Vor
namen. Weiter fallen gewisse äußere Dinge auch dem oberflächlichen Beobachter
sofort in die Augen: sehr jung oder sehr alt für die Klasse; Eigentümlichkeiten
des Körperbaues, der Haltung; das verschiedene Maß von Sorgfalt und Sauber
keit in der Leibespflege und Kleidung, in der Behandlung der Bücher und Hefte rc.
In der Schule giebt sich der Junge selten ganz so wie er ist. Will man
den ganzen Menschen kennen lernen, so muß man ihn einmal ohne Zügel und
Zaum sehen. — — Voll und ganz würden wir aber erst die Schüler kennen
lernen, wenn wir einen Blick in die Sphäre werfen könnten, deren Bedeutung
für die eigentümliche Entwickelung des Kindes nicht hoch genug angeschlagen

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