Der Erlaß des Kultusministers Dr. Studt über das Lesebuch. 255
Nachmittagsunterricht auf höchstens zwei Nachmittage zu beschränken, und auch an
diesen muß Fürsorge getroffen werden, daß das Unterrichtspensum leichtester Natur
sei. Auf dem Gebiete des höheren Schulwesens ist man bereits in einer großen
Zahl von Gemeinden zur Durchführung der ungeteilten Unterrichtszeit über
gegangen, so in Berlin, Greifswald, Königsberg, Hamburg, Charlottenburg, Gera,
Magdeburg, Kiel, Darmstadt, Dresden, Halle, Karlsruhe, Torgau, Frankfurt a. M.,
Braunschweig u. a. In der Volksschule ist ebenfalls seitens einer Reihe von
Städten wie Berlin, Charlottenburg, Königsberg, Torgau, Hannover, Braunschweig,
Frankfurt u. a. der Forderung Rechnung getragen. Daß die Volksschulen ihrer
Zahl nach bezüglich des Ungeteilten Unterrichts hinter den höheren Schulen zurück
stehen, liegt in den besonderen häuslichen Verhältnissen ihrer Schüler begründet,
besonders in der heutigen Verteilung der öffentlichen Arbeitszeit, welche die Mit
tagsstunde 12 Uhr in der Regel yls Grenzscheide der Vormiltagsarbeit nimmt.
Redner faßte schließlich seine Ausführungen in mehreren Leitsätzen zusammen,
welche von der Versammlung in folgender Fassung angenommen wurden: 1. Die
ungeteilte Unterrichtszeit ist aus hygienischen wie pädagogischen Gründen zu em-
pfehlen. 2. Bei richtiger Verteilung und angemessenen Pausen strengen fünf auf
einander folgende Lehrstunden den jugendlichen Geist nicht über das Maß hinaus
an. 3. Wenn auch die heutigen sozialen Verhältnisse die Durchführung der Ver
legung der Gesammtunterrichtszeit auf den Vormittag nicht allgemein gestatten, so
ist dieselbe doch anzustreben und das Verständnis hierfür in allen Kreisen zu
wecken. Aus dem Düsseldorfer Generalanzeiger.
Der Erlaß des Kultusministers vr. Studt
über das Lesebuch.
Unter dem 28. Februar d. I. hat der preußische Kultusminister Dr. Studt
an sämtliche Königliche Regierungen folgenden Erlaß (II III. A. Nr. 3165)
gerichtet:
Die zahlreichen bei mir eingebrachten Anträge von Schulbehörden auf
Genehmigung des ferneren Gebrauchs von Lesebüchern für die Volksschule in
umgearbeiteter Form oder auf Einführung neuer, unter Beseitigung der bisher
benutzten, lassen die Thatsache nicht mehr zweifelhaft erscheinen, daß man auch in
den beteiligten Kreisen der Herausgeber und der Verleger die auf diesem Gebiete
vorhandenen Übelstände erkannt hat.
Abgesehen davon, daß bei Auswahl und Einführung der Lesebücher nicht
immer die allgemeinen und besonderen erziehlichen Aufgaben der einzelnen Schule
entscheidende Berücksichtigung gefunden haben, sind die Mißstände hauptsächlich
darin begründet, daß den Lesebüchern in geringerem oder stärkerem Maße Mängel
anhaften.
In dem Bestreben, möglichst weilen Kreisen zu dienen, haben sie mehrfach
ein zu allgemeines Gepräge erhalten. Oft sind weder der Charakter der Land
schaft, noch die religiösen Verhältnisse, noch die Lebensweise der Bevölkerung zu
erkennen, für deren Kinder die Bücher bestimmt sind. Nicht selten haben die
Stücke litterarisch-ästhetischen Inhalts das Übergewicht über die realistischen
Stücke, so daß namentlich der erdkundliche und naturwissenschaftliche Stoff nicht

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