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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
6. Die Sprache des Lesebuches muß volkstümlich und darum einfach sein,
weil sonst die engbegrenzte und nicht selten ungenaue Sprache des Kindes an ihr
sich nicht erweitern und berichtigen kann.
7. Das Lesebuch biete darum Stücke aus den besten Schriften unserer
Litteratur, soweit sie dem kindlichen Verständnisse zugängig sind. Die Ansprüche
an Darstellungen, welche eigens für dasselbe angefertigt werden, dürfen nicht
etwa geringer sein; auch bei ihnen ist das beste zu verlangen. Dürrer Leitfaden
stil ist streng fernzuhalten.
Die Prüfung erfolge gerade in diesem Stücke besonders genau und un
erbittlich.
Es sind nicht nur die Schriftsteller der älteren Zeit bis zur Mitte des
vorigen Jahrhunderts zu benutzen, soweit ihre Arbeiten noch heute Wert haben,
sondern auch solche der neuesten litterarischen Entwicklung, und zwar ist ebenso
die Buch-, wie die Zeitschriften- und die Zeitungslitteratur mit Stücken, welche
durch ihren Inhalt wie durch die Form ihrer Darstellung den gestellten For
derungen entsprechen, zu verwenden.
Die durch Gesetz erfolgte Regelung dieser Früge sowie innere Gründe
fordern, daß die Entlehnung möglichst wortgetreu sei. Das Kind soll durch das
Lesebuch die Befähigung gewinnen, Bücher u. dergl. lesen zu lernen, wie sie das
Leben ihm später bieten wird. Nur in den dringendsten Fällen sind Ver
änderungen der Form angängig, welche den Sinn nicht beeinflussen. Dichtungen
vertragen solche nicht ohne Einbuße ihres poetischen Gehalts; Änderungen bleiben
darum bei ihnen ganz ausgeschlossen; der Reichtum unserer Litteratur auf diesem
Gebiete gestattet es.
8. Eingehendste Sorgfalt verlangt die Rechtschreibung und Interpunktion.
In der Grammatik sind sogenannte Verbesserungen zu vermeiden, die selbst vor
unsern Klassikern nicht Halt machen.
9. Der Umfang des Lesebuches ist auf das Maß zu beschränken, welches
ein Heimischwerden der Kinder in ihm ermöglicht, weil es nur so seiner erzieh
lichen Aufgabe gerecht werden kann. Namentlich das abschließende Lesebuch
gestatte eine lange Benutzung durch das Kind. Die einklassige und die Halbtags
schule kennen am besten außer der Fibel und dem sich anschließenden Lesebuche
für die Unterstufe nur das einbändige Lesebuch.
10. Die Anordnung der Stoffe innerhalb der einzelnen Bände erfolge
nach sachlicher Zusammengehörigkeit und Reihenfolge. Daß der Stoff der Bände
für die höheren Stufen ausschließlich konzentrische Kreise zu dem Stoffe der
niederen Schulen bildet, entspricht nicht dem geistigen Fortschritte des Kindes;
gewisse Stoffe seien auf den unteren Stufen ein für allemal abgethan.
11. Der Ausstattung des Lesebuches mit Bildern ist überall da eine größere
Bedeutung nicht beizulegen, wo die Schulen über gute Veranschaulichungsmittel
verfügen, wie in den großen Städten. Bilder von Gegenständen und Vor
gängen, welche in dem Vorstellungskreise des Kindes liegen, gehören nicht in das
Lesebuch. Nur wirklich gute Bilder, welche für das Verständnis eines Lesestückes
unentbehrlich sind, können Aufnahme finden.
12. Daß die Verwendung verschiedenartiger Typen, eine, was Größe der
Buchstaben und Breite der Zwischenräume anbetrifft, den hygienischen Ansprüchen
genügende Drucklegung, kräftiges Papier von guter Farbe, ein dauerhafter Ein
band und ein für ärmere Eltern berechneter niedriger Preis bei der Prüfung

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