26 I. Abteilung. Abhandlungen.
geben, unter der Hand verkaufen, die Hand über etwas
halten.
In der öffentlichen Volksversammlung der Germanen (ahd. mahal), die
nicht mit dem Thing zu verwechseln ist, wurde die Ehe oder Verlobung voll
zogen, daher heißt der Ehegatte Gemahl ahd. gimahalo. 1 ) Zur Zeit der
Raubehe nahm man sich ein Weib, später kaufte man sich eins (Braut
kauf, mit dem das volkstümliche Weinkauf, Winkaup, Wingkuf, das nicht
mit Wein, sondern mit ahd. wini Freund und gewinnen verwandt ist, in
haltlich übereinstimmt). Die spätere Sitte, der jungen Frau am Morgen nach
der Hochzeit eine Morgengabe zu überreichen, führte die Bezeichnung mor
ganatische Ehe in die Sprache (morganatica ist eine falsche Latinisierung
von Morgengabe. Die Nebenfrauen, Kebse ahd. kebisa, bekamen ebenfalls
eine solche Gabe). Die aus einer solchen Nebenehe entsprossenen Kinder hießen
Kegel; das Wort hat sich noch in Kind und Kegel d. i. eheliche und un
eheliche Kinder erhalten. Die rechtmäßig vollzogene Ehe war unlöslich. Das
Wort E h e got. aivs ahd. ewa ist mit dem lat. asvurn und dem griech-
aiwv urverwandt und enthält den Begriff der unbegrenzten Zeit, den wir noch
heute in ewig haben. Die junge neuvermählte Frau band die Haare hoch und
barg sie unter einer Haube, daher die Wendung unter die Haube kommen,
unter die Haube bringen. Verheiraten konnte sich meist nur der älteste
Sohn, der der Erbe war; die jüngeren Söhne wurden mit kleineren Gütern,
einem kag d. i. einem umfriedigten Hof abgesunden, der gewöhnlich nicht ge
nügende Daseinsbedingungen für eine Familie bot. Ein solcher Hagbesitzer (got.
Ltaläan - besitzen) hieß ahd. hagastalt, aus dem durch Volksetymologie
Hagestolz als Bezeichnung für einen alten Junggesellen gebildet wurde.
Schon von römischen Schriftstellern wurden unsern Vorfahren zwei üble
Neigungen nachgesagt, nämlich die Sauf- und Spielwut. Vom Durste
unserer Väter erzählen mehr als 500 Gleichnisse und Redensarten, die O. Schräder
gesammelt hat. Charakteristisch schon ist es, daß schenken eigentlich „zu trinken
geben" bedeutet (vgl. einschenken, Trinkgeld). Man trank aus Hörnern,
Trinkschalen, später auch aus „gestiefelten Krügen", und mancher konnte wohl
einen Stiefel vertragen. Bei solchen Saufgelagen wurde ohne rechten
Sinn drauf los gesprochen, ins Gelage hinein geredet. Auf die Ge
wohnheit, Schwächere trinkunfähig zu machen, indem mau sie mit dem Ruf:
Gar aus! zum Austrinken des Restes aufmunterte, deuten die Redensarten -
einem den Rest geben, den Garaus machen. Auf die Tafelfreuden
weist der Ausdruck: einem sein Fett geben, der jetzt ironisch gebraucht
0 Andere leiten das Wort ab von ahd. mahaljan sprechen, versprechen, das aber
wiederum eine Ableitung von mahal ist und eigtl- in der Volksversammlung sprechen
bedeutet.

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