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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens re.
sein, daß die Mitarbeit der Genannten nicht ein dauerndes pekuniäres Interesse
an der Verbreitung des betreffenden Buches im Gefolg haben darf, damit die in
dem angegebenen Erlasse berührte Schädigung des Ansehens der Schulbeamten
vermieden bleibt.
Anträge auf Einführung neuer oder umgearbeiteter Lesebücher sind bis auf
weiteres ablehnend zu bescheiden.
Der Bericht vom 8./12. Juni d. I. — J.-Nr. II, II, 926 8. —
betreffend das Flüggesche Lesebuch, dessen Anlagen zurückfolgen, findet damit
seine vorläufige Erledigung.
Das genannte Lesebuch ist in der Neubearbeitung zu prüfen und zu
begutachten.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.
gez. Studt.
Rundschau.
Ein blinder Abiturient. Aus Elberfeld wird der „Tgl. Rundsch."
geschrieben: Daß es einem Blinden möglich ist, sich die vom Staate für wissen
schaftliche Studien verlangte Vorbildung anzueignen, hat ein Sohn unserer Stadt,
Karl Schmittbetz, in glänzender Weise bewiesen. Nachdem er auf einer
Blindenanstalt und durch Privatstudien sich die nötigen Vorkenntniffe erworben
hatte, trat er 1898 in die Untersekunda des hiesigen Realgymnasiums ein und
gehörte bald und dauernd zu den besten Schülern seiner Klaffe. Jetzt hat er
nun auch die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden. Die Schwierigkeiten, die
einem Blinden auf einer höheren Lehranstalt begegnen, liegen besonders aus dem
Gebiete der Mathematik und Naturwissenschaften; dabei ist offenbar ein Gymnasiast
— und das waren bisher alle Blinden, die es so weit brachten — günstiger
gestellt als ein Realgymnasiast. In der Mathematik war ihm die Algebra am
schwersten zugänglich, da die Tafel für Blindenschrift nicht gestattet, die Rechnungen
in übersichtlicher Weise niederzuschreiben und zugleich zu überlesen. Obwohl es
ihm nach langen Mühen zwar gelungen war, eine Tafel zu erfinden, die diesen
Übelständen abhilft, so konnte sie doch leider erst so spät fertig gestellt werden,
daß sie ihm nur noch wenig nützte. Die Schwierigkeiten, die die Geometrie in
ihren verschiedenen Zweigen bietet, waren nicht groß; denn während ihm die
Figuren des Lehrbuches mittels eines Zahnrädchens und einer Filzunterlage von
Klassenkameraden auf Papier aufgezeichnet wurden, bediente er sich selbst, besonders
bei geometrischen Aufgaben, eines Zeichenkissens mit Kordel und Stecknadeln. In
ähnlicher Weise half er sich in der Physik. Durch die so hergestellten Figuren
und durch Befühlen mancher Apparate konnte er sich das Meiste verständlich machen.
Schwieriger war allerdings seine Lage bei der Optik und den Wechselstrom-Maschinen.
Doch auch hier wurde, abgesehen von der fehlenden Anschauung, ein hinreichendes
Verständnis erzielt. Erschwerend, aber keineswegs ein unüberwindliches Hindernis,
war in der Chemie der Umstand, daß er sich die zahlreichen Versuche und charak
teristischen Reaktionen ganz gedächtnismäßig einprägen mußte. Die Erdkunde
war ihm, da er im Besitz einer Sammlung von Reliefkarten war, vollkommen
zugänglich. Mehr als diese Realien sind die sprachlichen Wissenschaften das

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