264
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
treiben, wenn man die notwendigen Kenntnisse ihrer physiologischen Grundlagen nicht
besitzt. Namentlich die experimentelle Psychologie setzt eine Menge naturkundlichen
Wissens voraus. Zweitens haben die Naturwissenschaften in unserm wirtschaftlichen
Leben eine solche Bedeutung erlangt, daß sich der Lehrer auf Schritt und Tritt Blößen
giebt, der in diesem Fache nicht fortgesetzt an seiner Weiterbildung arbeitet. Daher
stellen wir diesmal an die Spitze unserer Besprechung die Schriften die sich eignen
A, Zur Fortbildung der Lehrer.
1) vr. Alfred Lemcke «Assistent an der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Königsberg)
und Gustav Melinat :Seminarlehrer zu Mühlhausen in Th. . Pflanzenkunde in
populär - wissenschaftlicher Darstellung insbesondere für die Zwecke der Lehrer
bildung. Erste Abteilung. 52 Einzelbilder mit 60 Volltafeln und 123 Textfiguren.
Leipzig. i9«n. H. Mendelssohn. Preis?
2> Franz Schleichert iLehrer in Jena). Anleitung zu botanischen Beobachtungen und
pflanzenphystologischen Experimenten. 4. veränderte und vielfach vermehrte Auf
lage. Mit 64 Abbildungen im Text. Langensalza, 1901. Beyer und Söhne.
Preis 2.50 M.. geb. 3,50 M.
3) F. Panten lSeminarlehrer in Marienburg-Westpr. Bau und Leben der Pflanzen.
Zugleich eine Anleitung zu anatomischen und physiologischen Untersuchungen für
Lehrerbildungsanstalten und Mittelschulen, sowie zum Selbstunterrichte. Mit 68
erläuternden Abbildungen. Breslau. 1902. Ferdinand Hirt. Preis 1,50 M.
1) Das an erster Stelle genannte Buch ist die erste Abteilung eines mehrbändigen
Werkes. Es ist in anschaulicher Breite geschrieben und trifft den Don, der den Leser in das
stille Leben der erhabenen Pflanzenwelt versetzt. — Außer 52 Einzelbildern enthält das
Buch eine alphabetische Aufzählung der erklärungsbedürftigen Kunstausdrücke, eine kurze
Anleitung zur Anlegung eines Herbariums, eine Übersicht über die Klassen des Linneschen
Systems, eine kurze Belehrung über das Mikroskop und zwei Tafelreihen. — Die 52
Einzelbilder sind nicht etwa bloße Beschreibungen der Pflanzen, sondern sie führen den
Leser auf gründ der Anschauung zur Erkenntnis des den Erscheinungen zugrunde liegenden
Gesetzmäßigen. So belehrt die Abhandlung „Die Kartoffel" über folgende Punkte:
1. Assimilation. Atmung, 2. Eiweiß, Fette, Kohlehydrate. 3. Krankheit. Fäulnis,
4. Stärke Zucker. 5. Stoffwechsel, Stoffwanderung. — Das Keimen und die Ernäh
rung der Kartoffel. — Um das Buch zu einem Lernbuch zu machen, ist jedes Einzel
bild nach einer feststehenden Disposition behandelt: 1. Name, 2. Beschreibung, 3. Ver
breitung und Verwendung, 4. Freunde und Feinde, 5. Verwandte. 6. Einreihung ins
System, 7. Märchen, Sage, Geschichte. — Die erste der 'beiben Tafelreihen, die an
Umfang ungefähr die Hälfte des stattlichen Bandes ausmachen, zeigt die Abbildung der
besprochenen 52 Pflanzen, die 2. Tafelreihe enthält 7 Tafeln zur alphabetischen Aus
zählung der erklärungsbedürftigen Kunstausdrücke. Die Abbildungen sind in ihrer Ein
fachheit wohl geeignet, die Anschauung zu unterstützen. — Um zu zeigen, wie die Ver
fasser ihren Gegenstand behandeln, teilen wir eine kleine Probe aus dem Abschnitt „Die
Kartoffel" mit. „Die .Wurzel hat die Aufgabe, die Pflanze zu ernähren. Dazu ist das
junge Würzelchen jedoch noch nicht imstande. Deshalb nährt sich die junge Pflanze eine Zeit
lang aus der Wegkost, die ihm in der Saatkartoffel mitgegeben ist. Diese Wegkost aber
ist nichts anderes als die im Haushalte bei jeder Wäsche gebrauchte Stärke. Darunter
versteht der Chemiker ein Verbindung des Kohlen-, Wasser- und Sauerstoffes, und zwar
nach einem ganz bestimmten Verhältniffe. 6 ist das Zeichen für Kohlenstoff, H das für
den Wafferstoff, O das für den Sauerstoff. Den kleinsten Teil einer solchen Verbindung
nennt der Chemiker Molekül, d. i. kleinste Maffe. Sie setzt sich aus den kleinsten, un
teilbar gedachten Teilen der vorher genannten 3 Grundstoffe zusammen. Unter Grund
stoffen oder Elementen aber versteht er solche, die in ihren kleinsten Teilen oder Atomen
aus ein und demselben Stoffe bestehen. So ist ein Atom Gold derselbe Stoff wie l kg.
Das Verhältnis der Zusammensetzung der Stärke bezeichnet folgende Zeichenreihe oder
Formel Ca H 10 Os, wobei durch die Ziffern die Zahl der Atome angegeben ist. Ein
Molekül Stärke faßt also in sich 21 Atome, wovon 6 auf den Kohlenstoff, 10 auf den
Wafferstoff und 5 auf den Sauerstoff kommen. In dieser Verbindung stehen Waffer
stoff und Sauerstoff in demselben Verhältnis, wie in der bekanntesten Verbindung der
beiden Stoffe, dem Wasser, U- O. Eine solche Verbindung hat die chemische Bezeichnung
Hydrat, und da in der Stärke noch der Kohlenstoff hinzukommt, so gehört sie zu den Kohlen
hydraten, die mit den Fetten und Eiweißstoffen die Kreise unserer Nahrungsmittel

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.