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Richtlinien für den Unterricht im Rechtschreiben.
A. Vorbemerkungen. Abgrenzung.
1. Unter den verschiedenen Zielen der Sprachbildung gebührt nicht der
Sprachrichtigkeit, sondern der Sprachfertigkeit und dem Sprachverständnis die
erste Stelle. Auch beim Schreiben muß in erster Linie die Fertigkeit betont
werden; dann erst kommt die Richtigkeit.
2. Die drei Zweige der Sprachrichtigkeit sind Zeichensetzung, grammatische
Richtigkeit und orthographische Richtigkeit oder Rechtschreiben. Die richtige
Zeichensetzung und die grammatische Richtigkeit haben sowohl für die gesamte
Bildung, wie für die praktische Sprachbildung des Schülers höheren Wert, als
das Rechtschreiben; die betreffenden Übungen sind auch, weil weniger mechanisch,
interessanter, als die Rcchtschreibeübungen und führen mit geringerer Mühe zu
einem befriedigenden Abschlüsse.
3. Bei den Rechtschreibeübungen — vom einfachen Abschreiben bis zum
freieren Aufschreiben (Aufsatzübungen) — machen die Fehler der Oberflächlichkeit
dem Lehrer am meisten zu schaffen. Nicht das Rechtschreiben ist das Kreuz der
Schule, sondern Oberflächlichkeit, Flüchtigkeit und Eilfertigkeit, Zerstreutheit und
Zerfahrenheit der Schüler sind es; sie sind nicht ein, sondern das Schulkreuz.
Darum ist, insbesondere bei allen schriftlichen Arbeiten, auf strenge Gewöhnung
an die äußerste Sorgfalt und Pünktlichkeit zu halten.
4. Bei Beurteilung der Fehler gegen die Sprachrichtigkeit hat man danach
vier Gruppen zu unterscheiden: Zeichenfehler, Sprachfehler, eigentliche Recht
schreibefehler und — Flüchtigkeitsfehler. Zu einer wirksamen Bekämpfung der
Fehler gehört nun auch. daß sie, z. B. bei Aufsatzübungen, verschieden bezeichnet,
ihrer Eigentümlichkeit nach in verschiedener Weise verbessert und bei etwaiger
Bestrafung verschieden gewertet werden. Die Flüchtigkeitsfehler sind selbst
verständlich am strengsten zu rügen?)
B. Ziel. Methode. Stellung im Lehrplan.
1. Das Ziel der Volksschule im Rechtschreiben kann — auf den Umfang
gesehen — nur ein bescheidenes sein. Auch im Rechtschreiben soll weder Fach
bildung erstrebt werden, noch kann und soll es Aufgabe der Volksschule sein,
den Schüler dahin zu bringen, daß er alle möglichen Zweifels- und knifflichen
Fälle im Rechtschreiben beherrsche. In den Grenzen seiner Sach- und Sprach
bildung soll der Schüler rechtschreiben lernen, darüber hinaus nicht. In diesen
Grenzen soll er aber auch möglichst Vollkommenes leisten.
3 Man bezeichne bei der Aufsatzkorrektur auf dem Rande Flüchtigkeitsfehler etwa
durch !, Zeichenfehler durch ?, Fehler gegen die grammatische Richtigkeit durch —,
orthographische Fehler durch > .
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