Richtlinien für den Unterricht im Rechtschreiben.
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Sobald das Kind zwei Laute verbinden kann, beginnt auch das Zerlegen von
zweilautigen Verbindungen und das Nachschreiben dieser Silben und Wörter —
also in den ersten Schulwochen usw. usw. Die lautgemäße Schreibung der
Wörter hat zunächst sorgfältiges Sprechen und genaues Hören zur Voraus
setzung; durch den Gesichtssinn wird sie bald wesentlich unterstützt, da er die
Übereinstimmung oder die Nichtübereinstimmung zwischen dem Gesprochenen und
Gehörten und dem Geschriebenen feststellen hilft.
Es ist wichtig, daß die phonetische Schreibung einen bedeutenden Vorsprung
habe, bevor die Andersschreibung auftritt; ja sie sollte vorher zu einem gewissen
Abschlüsse gebracht werden. In den drei ersten Schuljahren ist daher die
Gleichschreibung zur größtmöglichen Sicherheit und Geläufigkeit zu bringen.
3. Der erste Wirrwarr im Rechtschreiben auch bei Wörtern der Gleich
schreibung rührt daher, daß die Schüler die Wörter der Andersschreibung
(Wörter mit Nebenzeichen, schwieriger Bezeichnung der Endlaute, Schärfung,
Dehnung usw.) beim Lesen sehen. Wenn dies nun beim Leseunterricht auch
nicht zu umgehen ist, so sollte der Lehrer doch sorgfältig alles vermeiden,
wodurch die Verwirrung in den Köpfen der Schüler noch künstlich beschleunigt
und vermehrt wird. Das geschieht aber, wenn die Andersschreibung zu früh,
zu breit und zu dringlich auftritt. Es entsteht dann in den Köpfen der
Kleinen ein vollständiges Durcheinander, so daß sie bald in den einfachsten
Wörtern der Gleichschreibung aufs Geratewohl Schärfungs- und Dehnungszeichen,
Nebenzeichen und alle möglichen und unmöglichen Bezeichnungen anbringen.
4. Zweierlei ist demnach im Auge zu behalten:
a) In den 8 ersten Schuljahren wird die phonetische Schreibung, die 75°,'o
sämtlicher Wörter umfaßt, nicht nur fast ausschließlich betont, sondern
ihr Gebiet wird absichtlich und planmäßig erweitert.
b) Die Andersschreibung wird absichtlich während dieser Zeit zurückgestellt.
Zu a: Den Begriff der phonetischen Schreibung fasse man praktisch recht
weit. Man darf das umsomehr, als der Gesichtssinn von Schritt zu Schritt,
von Wort zu Wort überaus behülflich ist und um so kräftiger der lautrichtigen
Auffassung nach dem Gehör hilft, wenn er noch nicht durch allerlei Ausnahmen
planmäßig verwirrt und unsicher gemacht worden ist (s. oben 0. 3). Wir
zählen daher zur lautgemäßen Schreibung folgende Gruppen:
I. Die Wörter mit den Zeichen qu, Pf, ng, nk, sowie mit st und sp (im
Anlaute),
II die Wörter, in denen t wie st gesprochen wird (Berg. Knecht, lernen),
III. das Zeichen ie wird nicht als Dehnungszeichen, sondern sobald als
möglich als Hauptzeichen (als Regel) für den langen i-Laut eingeführt.
Der Wörter mit ie sind so viele, daß sie sich unmöglich als Wörter
der Andersschreibung zurückstellen lassen; es liegt aber auch gar keine

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