28 I. Abteilung. Abhandlungen.
stocke waren, schätzte man sehr; daher sagte man: gute Stücke auf etwas
geben, große Stücke auf (eine Ware) etwas oder auf einen halten
(kurz auf einen etwas halten). Solche Stücke trug man zur Zier als
Knöpfe; das erklärt die Redensart Knöpfe haben. Oft trug man durch
löcherte Geldstücke an einer Schnur am Halse; man lebte von der Schnur,
konnte sein Geld an einen hängen, wenn man sich wohl auch meistens
bedachte, bevor man einem alles an den Hals hing. Kleine, scharf
kantig abgeschnittene Münzen nannte man Scherflein, die in Schwäbisch-
Hall geprägten Heller; einige Münzen trugen als Münzzeichen einen Raben
kopf — sie hießen Rappen (davon berappen) — andere einen Bären
oder Betz (Batzen), andere ein Kreuz (Kreuzer). Die Mark hatte den
Namen von dem Merkzeichen, daß sie auf Feingehalt geprüft worden war.
Kurz sei nun noch das Bauwesen gestreift. Die Bauten waren anfänglich
sehr einfach. Man rammte vier Pfähle ein, bekleidete sie mit Zweigen und
Laubwerk und bedeckte das „Haus" oder die „Hütte" (d. i. das Hüllende
von Wrzl. hu). Man war in seinen vier Pfählen, das Haus war
unter Dach und Fach, es bestand aus einem Stockwerk (Stock - Pfahl).
Oft aber konnte ein böser Nachbar einem aufs Dach steigen oder gar den
roten Hahn drauf setzen. In der Nacht mußte man einen Riegel
vorschieben oder einen Pflock vorstecken. Später erlernte man von
den Römern den Steinbau; man machte Gemächer, in denen man sich
gemächlich (Gegenteil ist Ungemach) fühlte. Die Städte wurden mit
Pfählen befestigt; sie hießen Burgen (von bergen), in denen der Burge-
m eist er den Bürgern vorstand. Außerhalb der Pfähle wohnten die Pfahl
bürger, während die Bürger, die dem Feinde mit dem Spieße entgegen
zutreten verpflichtet waren, Spießbürger genannt wurden. Kleinere Orte
waren von einer ziemlich starken Einfriedigung (ahd. hag) umgeben; daher
kommen die Ortsnamen auf -Hagen (vgl. engl, town ton mit ags. tun nhd.
Zaun). Die Stadtthore wurden abends geschlossen; es galt daher, noch vor
Thoresschluß zu kommen.
*
Es wäre leicht, auch an der Kultur unserer Tage nachzuweisen, wie sie
unsere Sprache beeinflußt (z. B. das sehr volkstümliche „es ist die höchste
Eisenbahn, es geht mit Dampf u. v. a.); doch ich muß mich beschränken.
Kurz sei aber noch gezeigt, daß die Kultur auch auf den Stil, die Redeweise,
von Einfluß ist und nicht nur in schriftlicher, sondern auch in mündlicher Sprache,
die ja beide in alter Zeit nicht unterschieden wurden. Leider kann ich nur kurze
Andeutungen machen.
Volltönend, vokalreich, mit langen Biegungssilben ausgeschmückt, urwüchsig
und kernig wie die Bewohner ist die Sprache in althochdeutscher Zeit.

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