Richtlinien für den Unterricht im Rechtschreiben.
281
II. Umkehrung der vorigen Weise: Das Kind soll schreiben liebt,
liegt, Wand — blüht, seht — knallt, schallt, und wird vom Lehrer ver
wiesen auf lieben, liegen, Wände — blühen, sehen — knallen, schallen usw.
Regeln lernen hier, auf der Unterstufe, die Kinder noch nicht; das Nach
denken der Kinder soll nur gelegentlich, von Fall zu Fall, angeregt werden,
ohne Druck für sie; wissen sie sich einmal nicht zu helfen, so sagt man ihnen
das Richtige vor.
6. Wie ist aber die absichtliche Zurückstellung der Andersschreibung in den
drei ersten Schuljahren gemeint? Wie soll sie geschehen? Warum ist
sie nötig?
Die Andersschreibung umfaßt
a) alle Wörter mit Nebenzeichen,
b) wenige Wörter mit den Endbuchstaben b, d, g, s, (bt, gt, st), die
nicht bequem verlängert werden können, wie Herbst, sind, nie
mals usw.,
c) alle vorkommenden Wörter mit den Dehnungszeichen aa, ee, oo,
ä) alle vorkommenden Wörter mit dem Dehnungs-h, die für die Schüler
nicht weiter abzuleiten sind, wie fahren, wahr, Jahr, Zahl,
wehren usw.
e) wenige Wörter mit Schärfungszeichen, die nur selten vorkommen und
nicht bequem verlängert oder abgeleitet werden können, wie Quecksilber,
Rabatt, jetzt, zuletzt usw.
Zunächst sei noch einmal darauf hingewiesen, daß auf der Unterstufe die
phonetische Schreibung, nicht die Andersschreibung betont wird. Man mache
hier vor der Hand noch gar kein Aufheben von Fehlern des kleinen Schülers
gegen die Andersschreibung. Aber er darf nicht schreiben: Laine, Schäune,
Veder, Schuhle, Pfehrd, entschuhldigt usw., wie es wohl da vorkommt, wo die
Andersschreibung zu früh betont wird.
Bei den mechanischen Abschreibeübungen und beim Nachschreiben vermeide
man im 1. Schuljahre absichtlich und sorgfältig alle Wörter der Andersschreibung.
Die in der 1. Fibel auftretenden Wörter der Dehnung usw. sollen gelesen,
aber nicht geschrieben werden.
Die planlosen Diktate im 2.—4. Schuljahre sind geradezu schädlich.
Der für das Rechtschreiben so überaus wichtige Gesichtssinn wird durch sie total
verwirrt und unsicher gemacht, so daß er hernach ganz den Dienst versagt.
Das Kind kann dann nicht mehr sagen: „Ich habe Schahle so noch nicht
gesehen"; es hat ja selbst das Wort so geschrieben.
7. Soll denn auf der Unterstufe (1.-—3. Schuljahr) die Andersschreibung
gänzlich beiseite gestellt werden? Das ist weder möglich, noch rötlich. Es soll
nur das aus ihr genommen werden, was unbedingt genommen werden muß.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.