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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens :c.
fahrung allein giebt Heilsgewißheit, wo sie fehlt, da /st Halbheit. Die Haupt
frage für uns ist darum die: Haben wir persönliches Christentum oder nicht?
Und das muß sich in unserem Wandel beweisen, damit wir nicht durch unser
Leben niederreißen, was wir durch unser Lehren aufbauen wollen.
Hinsichtlich der Lehrmethode müssen wir zunächst die Natur des Zög
lings ins Auge fassen. Wir haben ein natürliches und ein geistliches Leben
zu unterscheiden. Das erstere ist an die Natur geknüpft, das andere ist abhängig
von dem lebendigen Glauben an Jesum Christum. Unseren Religionsunterricht
dürfen wir darum nicht bloß auf das natürliche Seelenleben stützen; er ist ver
fehlt, wenn er sich damit begnügt, denselben als ein Wissensfach anzusehen.
Weiler kommt für uns die Natur des Gegenstandes in Betracht. Jesus
Christus ist der Mittelpunkt, aber nicht bloß als Mensch, sondern als der ge
kreuzigte und auferstandene Gottessohn. So sollte schon die Unterstufe ein ein
faches Lebensbild, die Oberstufe ein eingehenderes Lehr- und Lebensbild des
Heilandes den Kindern vor die Seele malen, während die Mittelstufe die alt-
testamentliche Vorbereitungszeit des Kommens Jesu zu betrachten hätte.
Als Endzweck unserer Arbeit setzen wir die christliche Charakter
bildung; wir wollen nicht eine populäre Ethik oder Dogmatik geben, um
bloß sittliche Charaktere zu bilden, sondern Seelen gewinnen für Jesum Christum.
Was nun die praktische Seite des Religionsunterrichts angeht, so kommt
da besonders der Stoff in Betracht, der im Unterricht zur Behandlung kommt.
Wir wollen uns damit nicht in erster Linie an den Verstand und das Gemüt
wenden, sondern vor allem das Gewissen schärfen und den Willen an
spornen. Thun wir das nicht, so sind wir unpraktische Leute und verfehlen
den Zweck. Wie der kleine David sich die Waffen wählt, die ihm passen, so
sollen wir auch für unseren Religionsunterricht vor allem die Waffen des lauteren
Wortes Gottes wählen. Darum ist eine treue Vorbereitung nötig, die Kinder
müssen den Eindruck in der Religionsstunde bekommen: Hier steht unser Lehrer
auf der Höhe, da ist kein Raum für rohe Gewalt. Mit sentimentalen Redens
arten ist es nicht gethan, die Kinder sollen merken, daß das Christentum etwas
ganz Selbstverständliches ist, darum ist ein schlichter, natürlicher Ton am besten
angebracht. Die Lehrperson ist wichtiger als die Lehrmethode, obgleich wir auch
darin uns an das gute Beispiel der Meister unseres Faches hallen wollen, also
erst die Anschauung, dann das Denken und schließlich die Anwendung.
Die Grundlage des Lehrstoffes bildet die Heilsgeschichte. Ihre
Anordnung nach konzentrischen Kreisen ist vom Übel. Der Stoff ist anschaulich
vorzuführen, bei der Einprägung kann Dörpfelds Enchiridion gute Dienste leisten.
Nach diesem mehr theoretischen Teile muß nun der praktische kommen, das Ge
wissen soll geschärft und der Wille angespornt werden. Dafür können die fünf
Ideen Herbarts immerhin verwandt werden; aber wir sollen dessen eingedenk
sein, daß nicht in den ethischen Anregungen die Hauptsache des Religionsunter
richts beschlossen liegt. Buße, Glauben und Heiligung sind nicht zu lehren,
sondern zu zeigen an den lebendigen Beispielen der Geschichte Alten und Neuen
Testamentes. In der Anwendung folgt die Verwertung für das Leben des
Kindes in seinem kleinen Lebenskreise mit Berücksichtigung passender Sprüche,
Liederstrophen, Sprichwörter u. a.
Der Katechismus ist gedacht als das Bekenntnis der Gemeinde, es soll
die zusammengehörigen Glieder verbinden, von den andern scheiden. Es wird

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