Ein Höhepunkt rc.
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Heilserkenntnis und Heilserfahrung bei diesem Bekennen vorausgesetzt, die aber
bei unseren Kindern noch nicht vorhanden sein können. Die evangelische Kirche
würde nicht geschädigt, wenn der Katechismusunterricht in der Schule wegfiele.
Jesus muß zu den Kindern reden, die gesamte Schularbeit von der evangelischen
Lebensauffassung getragen werden.
Daß man den abstrakten Katechismusunterricht in die Schule eingeführt hat,
ist als die größte pädagogische Verirrung anzusehen.
Im Kirchenlied ist vorgeschrieben, daß 20 Lieder zu lernen und IO zu
lesen sind. Daß sind im ganzen 240 Strophen, von denen 167 gelernt werden
sollen. Gewiß möchten wir manche nicht preisgeben, aber es findet sich doch
manches Mittelmäßige darunter, das wir gut entbehren könnten. Es würde bei
vielen Liedern genügen, wenn man die wichtigsten Strophen memorieren und
dafür aus den von unserem Volke ungleich lieber gesungenen geistlichen Volks
liedern die besten behandeln und lernen würde.
Der Stoff für das Bibellesen ist auch nicht immer richtig ausgewählt.
Viele Stoffe sind noch nicht für das kindliche Verständnis geeignet und nützen
darum nichts. Richtiger wäre es deshalb vielleicht, wenn ein Evangelium im
Zusammenhang gelesen werden könnte.
Ohne Frage ist also in unserem Religionsunterrichte nach der quantitativen
Seite ein Übermaß vorhanden, worunter die Freudigkeit leiden muß.
Wir erschweren uns dazu die Arbeit, wenn wir zu sehr in die Tiefe und
Breite gehen; bei der Behandlung einer Geschichte gilt es einen Hauptpunkt her
auszuheben und den ins rechte Licht zu setzen.
Zum Schluffe sei darauf hingewiesen, daß wir mit den Familien in Be
ziehung treten müssen, damit sie möglichst in demselben Geiste auf die Kinder
einwirken, im Lehrerkollegium soll im Geiste gegenseitigen Vertrauens gearbeitet
werden, sonst liegt ein Bann auf der Erziehung, und auch durch den übrigen
Unterricht soll derselbe Grundton warmen evangelischen Glaubens hindurchgehen
wie im Religionsunterrichte.
Der Hauptpunkt ist und bleibt aber, daß uns persönlich einmal der Psingst-
geist nahetritt, dann können wir ihn auch andern zeigen. —
Dem mit großem Beifalle aufgenommenen Vortrage folgte eine l^stündige
lebhafte Besprechung. Der Forderung des Referenten, daß wir selber christliche
Charaktere sein müßten, wurde warme Zustimmung gezollt. Unter Hinweis auf
einen vielgenannten Artikel des Pfarrers Bonus in der „Christlichen Welt", der
den Religionsunterricht der Schule entzogen haben möchte, wurde ausgeführt, daß
solche Angriffe uns doch zum Nachdenken stimmen müßten. Wenn Jesus Matth.
18, 3 uns auffordert, den Kindern gleich zu werden, so will er gewiß damit
sagen, daß in der Kindesnatur etwas Besonderes liegt. Sie zeigt Demut,
Empfänglichkeit, Einfalt, Vertrauen. Hegen und pflegen wir diese Eigenschaften
bei den Kleinen in rechter Weise oder benutzen wir nicht oft geradezu die entgegen
gesetzten Eigenschaften z. B. den Ehrgeiz, um äußere Resultate zu erzielen?
Gewiß müssen wir auch im Religionsunterrichte Belehrung geben, aber versäumen
wir nicht vielleicht oft genug den Hinweis auf den Hauptzweck, die persönliche
Gemeinschaft mit Gott, die Anwendung des Erkannten im täglichen Leben?
Wie im Evangelium die Gnade in Christo das Centrum bildet, so muß auch
diese frohe Botschaft den Kern und Stern unseres Unterrichts bilden, damit den
Kindern klar wird, daß wir ihnen nicht eine Last auflegen, sondern einen rechten

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