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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Helfer zeigen wollen. Das Christentum soll als eine Wohlthat erscheinen, das
die Menschen fröhlich und glücklich machen will.
Die beiden Pastoren Klug und Burghard traten in längeren Ausführungen
für den Katechismusunterricht ein, hielten aber auch einen getrennten und zu weit
gehenden Unterricht darin für die Schule nicht für nötig. Dagegen weist Res.
aufs neue darauf hin, daß die Voraussetzungen der Katechismusbekenntnisse noch
nicht im Kinde da seien und darum nur ein gewohnheitsmäßiges Bekennen dadurch
erzielt werden könne. Gegenüber der Klage bez. Stoffüberbürdung konnte von
Barmer Kollegen konstatiert werden, daß hier durch gemeinsame Aussprache
gerade im Katechismusunterrichte der Druck weggeschafft worden sei. Eine kürzlich
auf Wunsch der Schulbehörde zusammengelretene Kommission hat eine erneute
Durchsicht der religiösen Stoffe vorgenommen und ist dabei zu folgenden Resul
taten gekommen: Die alttestamentlichen Geschichten sollen behandelt aber nicht
auswendig gelernt werden. An Kirchenliedern sollen nur 9 ganz, daneben aber
schöne Strophen aus Kirchenliedern und geistlichen Volksliedern gelernt werden.
Im Katechismus hat man die Zahl der zur Besprechung kommenden Stücke von
60 auf 27 vermindert. Auch im Bibellesen sind nur solche Abschnitte gewählt
worden, die wirklich verstanden werden können; alles um eine wirkliche Fruchtbar
machung der religiösen Stoffe zu ermöglichen.
Die Jahreskonferenz am 21. Mai wurde durch eine warme biblische
Ansprache über Joh. 7, 37—39: Wen da dürstet, der komme zu mir und
trinke!, die Herr Pastor Schneider-Barmen hielt, eröffnet. Sodann folgte der
fast l^stündige Vortrag des Rektors Horn über „Volkstümliche Bildung", der
das lebhafteste Interesse der Zuhörer zu wecken wußte. Mit großer Freude wurde
die Mitteilung begrüßt, daß in einer 2. Konferenz im Oktober der 2. Teil des
Vortrags, die praktische Seite der Frage behandelnd, von dem Herrn Referenten
geboten werden wird. Da der erste Teil des Vortrages im Juniheft unseres
Schulblattes zur Veröffentlichung gekommen ist, können wir uns hier darauf
beschränken, nochmals empfehlend darauf hinzuweisen. Es ist ohne Zweifel eine
entscheidende Frage, die von einem unserer erfahrensten Schulmänner hier be
handelt wird. Mit unserer Schulweisheit sind wir so gar schnell bei der Hand,
um Menschen und Verhältnisse bessern zu wollen, und wie selten entspricht das
Resultat der aufgewandten Mühe! Dieses Gefühl kam auch in der Besprechung
zum Ausdruck; mancher alte Kollege konnte vortreffliche Beispiele aus seinerlangen
Amtserfahrung anführen, die eine überraschend reiche volkstümliche Bildung bei
einfachen Leuten verrieten. Mit Recht konnte aber auch darauf verwiesen werden,
daß es meistens solche Leute sind, die in der Heiligen Schrift zu Hause sind
und sie zur Richtschnur ihres Lebens und Handelns gemacht haben. — Möchte
die ernste Mahnung des Referenten in unseren Kreisen beherzigt werden: Die
volkstümliche Bildung in unserer Land- und Jndustriebevölkerung ist eine Macht,
gegen die unsere Schulbildung nicht an kann. Besinnen wir uns darum, was
sie für uns bedeutet. Hier ist der entscheidende Punkt, von dem das Gedeihen
unserer Arbeit abhängt. Jeder muß in seinem Arbeitsgebiete prüfen, wo er am
besten Eingang findet?) So sehr wir alle wünschen, daß es die religiöse Seite
sein möge, so wenig können wir dies doch erzwingen. Widmen wir uns der
9 Ein treuer Berater kann die im 5. Jahrgang erscheinende „Deutsche Heimat"
sein, die wir allen Freunden deutschen Volkstums warm empfehlen möchten. Berlin,
G. H. Meyer. Jeden Sonntag ein Heft, vierteljährlich 1,20 M.

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