Rundschau.
Lehrer im Schulvorstande. Der neue Erlaß des Kultusministers hat
bereits Früchte getragen. Im Reg.-Bez. Köln ist die Dienstanweisung für die
Ortsschulvorstände dahin ergänzt worden, daß dem Schulvorstande als Mitglieder
fernerhin auch der endgültig angestellte Lehrer als Mitglied angehören soll.
Wenn mehrere Lehrer an der Schule sind, soll der erste, und wenn sie gleich
gestellt sind, der älteste von ihnen Mitglied sein.
Das Abgeordnetenhaus und die geistliche Kreisschulinspektion.
Im Kultusetat des vorigen Jahres waren zwei neue hauptamtliche Kreis
schulinspektoren gefordert und mit großem Nachdruck verteidigt, von dem
Hause aber nicht bewilligt worden. In dem Etat für 1902 ist auch darauf
verzichtet, nicht eine einzige Stelle ist neu beantragt worden. Wir geben, der
„Chronik der Christlichen Welt" (Nr. 15) folgend, das Wichtigste über die be
züglichen Verhandlungen wieder. „Der Kultusminister antwortete im Ab
geordnetenhause auf eine Anfrage über diese Angelegenheit: „Für jetzt will ich
mich nur auf die kurze Bemerkung beschränken, daß bezüglich der beiden damals
geforderten und jetzt nicht von neuem wieder von dem hohen Hause erbetenen
Stellen, in denen eine Umwandlung der nebenamtlichen in eine hauptamtliche
Kreisschulinspektion geplant war, Erörterungen mit dem evangelischen Oberkirchen
rat schweben, die noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Es handelt sich dabei
um die Frage, ob es durch die Berufung von Geistlichen, die zur Verwaltung
der Kreisschulinspektion Zeit und Begabung haben, möglich wird, in den beiden
Bezirken die nebenamtliche Inspektion aufrecht zu erhalten. Für die Zwischenzeit
ist die Aufsicht so geregelt, daß das Unterrichtsinteresse möglichst gewahrt ist." —
Es waren im Etat zu widerruflichen Remunerationen für Kreisschulinspek
toren im Nebenamt 440000 M., 56 680 M. mehr als im vorigen
Jahre, bewilligt. Der konservative Graf zu Limburg-Stirum sprach der Re
gierung anläßlich dieses Titels den Dank seiner Partei dafür aus, daß die Re
munerationen erhöht werden sollten. „Wir hatten," so fuhr er fort, „in früheren
Jahren das Gefühl, daß seitens der Unterrichtsverwaltung eine gewiste grund
sätzliche Abneigung gegen die Schulinspektoren im Nebenamt herrschte, und wir
konnten diese grundsätzliche Abneigung nicht für richtig halten. Wir hatten den
Eindruck, daß in den Gegenden, wo es uns bekannt war, daß tüchtige Kreis
schulinspektoren im Nebenamt zu haben waren, man Kreisschulinspektoren im
Hauptamte einsetzen wollte. Wir sind der Meinung, daß man da, wo es
möglich ist, grundsätzlich Kreisschulinspektoren im Nebenamt anstellen soll, einmal,
weil wir wünschen, daß die Beziehungen der Kirche zur Schule erhalten bleiben,
zweitens auch aus ökonomischen Rücksichten — ökonomisch hinsichtlich des Per
sonals und in pekuniärer Beziehung, denn eine ganze Klasse geeigneter Elemente
aus einer Beamtenklasse auszuschalten, die man im Nebenamte haben kann, und
sie durch Beamte im Hauptamt zu ersetzen, das ist nicht wirtschaftlich. Gegen
Kreisschulinspektoren im Hauptamte da, wo sie notwendig sind, und wo Geistliche
im Nebenamte nicht zu haben sind, haben wir gar nichts." Der Abgeordnete
Porsch (Z.) stimmte ebenfalls der Vermehrung der Ausgaben in diesem Titel
zu; beiden erwiderte der freikonservative Freiherr von Zedlitz, der ausführte,
daß die Kreisschulinspektion im Nebenamt keine Zukunft habe, die Schulaufsicht müsse
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