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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Zeilen des Textes zu zerzupfen. Nein, das schöne Lied singen wir, und Sie sollten es
nur einmal hören, wie lieblich die Bauernmädchen das können, keine Textschwankung,
frei ohne Blatt. Und dann lehren und lernen wir „Ich ging im Walde so für mich hin,"
zum andern „Erlkönig/ mancher Schulmeister kann ihn sogar singen. In unsern Lese
büchern steht „Johanna Sebus" und „Die Legende vom Hufeisen" und beides können
unsere Bauernkinder ebenfalls. Gewiß es ist nicht viel — doch mancher kann auch das
nicht. Aber der gestrenge Herr Schulrat verlangt es von uns, ob er Meyerhofer oder
anders heißt. Übrigens dieser östliche Meyerhofer muß doch ein eigentümlicher Mann
gewesen sein, der die „Schulnöte" im Westen beseitigen will und fängt seine Sache so
dumm an, daß er die kaffeesorgende Frau Pfarrer verletzt, indem er „dankend aber ent
schieden" das Täßchen ablehnt. So dumme Regierungsräte, Herr Anders, haben wir
nicht, und der salzburgische Name Meyerhofer paßt hierzu, wie die Faust aufs Auge,
denn der hätte ja seine Art verleugnet, und Kaffee und Krapfen sind ein spezifisch salz-
burgisches Gericht, daher der Name „Schmalzburger" — ich kann's nicht glauben, daß
ein Meyerhofer so seine Art verleugnet. Auf fröhliches Wiedersehn!
Melinat-Mühlhausen i. Th.
Schäfer, Rud., Lösung der von Herrn Kaplau Dr. Alban Fritsch den glänbigen
Katholiken und Protestanten gestellten 56 Preisaufgaben. Düffeldorf 1900,
E. Schaffnit. 96 S. 0,50 M.
Vorliegende Schrift ist gediegen und wertvoll. Interessant ist, wie der Verfaffer
zur Abfassung derselben veranlaßt wurde. In der Westdeutschen Zeitung las er, daß
ein vr. Fritsch 56 Preisaufgaben für Protestanten herausgegeben habe. Da ist ihm
der Gedanke gekommen, die möchtest du einmal sehen; vielleicht könntest du dabei etwas
verdienen, oder etwas daraus lernen. Allerdings war ihm unbekannt, daß das Büchlein
3 Mark kostet und der Reinertrag für einen Hochaltar bestimmt ist. Aus den ein
leitenden Seiten erfährt man weiter, daß Kaplan Fritsch eine von den Pastoren der
Mark für ihre Konfirmanden herausgegebene Schrift: „Die Unterscheidungslehren der
evangelischen und der römisch-katholischen Kirche" zum Ausgangspunkte seines Buches
bzw. seiner Preisaufgaben gemacht hat, ferner daß dieses Buch die Form einer
Sammlung von Briefen hat, die Fritsch an seinen Freund Max, einen evangelischen
Geistlichen, gerichtet hat, und in denen der Inhalt der Fragen mit Beachtung der
fingierten Antworten des p. Max eingehend behandelt ist.
Schäfer hat nun, von verschiedenen Seiten dazu aufgefordert, sich an die Lösung
der 56 Preisaufgaben gemacht und hierbei die Lehren und Einrichtungen der römischen
Kirche mit der biblischen Lehre verglichen und auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht.
Und er hat dies in einer ganz vorzüglichen Weise gethan. Mit einer großen Ge
lehrsamkeit und Bibelkenntnis verbindet er eine anziehende und volkstümliche Ausdrucks
weise und, was von besonderem Werte, eine gründliche Kenntnis der katholischen
Lehre und Kultus. Das har darin seinen Grund, daß Schäfer aus einer katholischen
Familie stammt, katholisch erzogen worden und trotz seines Übertritts zum evangelischen
Bekenntnis im Verkehr mit seinen katholischen Verwandten geblieben ist.
Daß der Leser sich überzeuge, welcher Art die gestellten Preisaufgaben sind, führe
ich einige derselben an. 1. Beweise mir aus der heiligen Schrift diese Heilswahrheit:
Alle Offenbarungen Gottes stehen in der heiligen Schrift. 2. Nenne mir auch nur
zwei Professoren eurer Theologie, welche die heilige Schrift in allen ihren Lehren auf
eine und dieselbe Weise auslegen. 3. Nenne mir auch nur einen einzigen eurer heutigen
Theologen, welcher die Lehre von der Rechtfertigung noch gerade Jo lehrt, wie Luther
sie gelehrt hat. 4. Beweise mir den apostolischen Ursprung der Schriften des Neuen
Testaments. 8. Nenne mir ein helles Wort der heiligen Schrift, welches die Über
lieferung als Glaubensquelle verwirft. 29. Beweise mir, daß Almosengeben, Falten,
Rosenkranzbeten, Wallfahrten, Klostergelübde zum Teil schriftwidrig sind. 45. Zeige
mir, wo die Schrift lehrt, daß nur Christus, mit Ausschluß des Petrus und seiner
Nachfolger, die Sünden vergeben und die Strafen erlassen kann.
Am Schluß meiner Besprechung weise ich noch einmal auf das anfangs Gesagte
hin. Möchte die vortreffliche Schrift viele und aufmerksame Leser finden!
H. Grabs.
Verantwortlicher Schriftleiter G. von Rohden in Düffeldorf-Derendorf.

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