August 1902.
1. Abteilung. Abhandlungen.
Vom täglichen Brot für die Jugenderziehung.
Erfahrungen und Grundsätze eines erfahrenen Lehrmeisters.
Herausgegeben von Dr. Rudolf Heine, pens. Realschul-Direktor.
„Erziehung ist ein Stück Seelsorge, woran
sich jedermann beteiligen kann und soll."
Curtmann.
Wer Wind säet, wird Sturm ernten, das ist eine leidige Erfahrung, welche
sowohl einzelne Individuen als auch ganze Völker machen müssen, wie das tägliche
Leben und die Weltgeschichte in reicher Fülle zeigen. Jene Saat, auf den Herzens
acker der Menschen gestreut, zeitigt höchst schädliche Gewächse, die gleich dem
Unkraute ein weit verzweigtes Wurzelwerk treiben, üppig ins Kraut schießen und
schwer auszurotten sind. Dadurch erhalten aber die Friedensarbeiter einen gar
harten Stand, denn sie finden einen schwer zu bearbeitenden Boden, zumal jene
Wucherpflanzen nur gar zu leicht den Samen ersticken, dessen Aussaat sie mit
Mühe bewerkstelligt haben. Die Ungunst ihrer Lage ist um so größer, als seit
jenem lieblosen Zornesworte Kains: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?"
die Friedensarbeiter allezeit an Zahl gegen die Sturmsäer ganz erheblich zurück
geblieben sind. Noch heute gilt die Klage unseres Herrn und Heilandes: „Die
Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenig." Hat man daher eine schöne
Friedenssaat gesunden, so darf man nicht lange müßig stehen, sondern muß zu
greifen, einzuheimsen, muß weiter ausstreuen von dem köstlichen Samen, den
man gefunden, auf den Herzensacker der Menschen, und das übrige der Gnade
unseres großen Meisters und Herzenskündigers anheimstellen.
Friedensarbeit *— an den Herzen seiner Mitmenschen betrieb in umfang
reichster und wirksamster Weise im 18. Jahrhundert einer der vortrefflichsten
Volkslehrer, welche zu diesem wichtigen Berufe von unserem größten Lehrmeister
ausersehen und ausgerüstet worden sind. Johann Friedrich Flattich^ (fi 1797
9 Flattich ist allerdings schon in den ersten Jahrgängen des Ev. Schulblatts
von Dörpfeld selbst sehr eingehend gewürdigt worden (vgl. 6. Band von Dörpfeld Ges.
Schriften); aber dies „pädagogische Original" verdient es, daß man es auch dem jün
geren Geschlecht immer von neuem vor die Seele stellt. Die Schriftleitung.
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