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I. Abteilung. Abhandlungen.
oder Freund der grauen Theorie, sondern er gehört zu den durch und durch
praktischen und tapferen Männern, wie sie auf dem Boden des wahren Christen
tums erstehen, welches die Menschenfurcht ausfegt, di» Augen offen halten lehrt
und alles bezüglich seiner Güte und Brauchbarkeit bis in seine tiefsten Tiefen
hinein der untrüglichen Kritik des göttlichen Wortes unterwirft.
In überaus praktischer und gründlicher Weise geht er den schwierigen Pro
blemen, welche sich uns im täglichen Leben entgegenstellen, zu Leibe. Die Haupt
sache ist doch auch hier immer die Gründlichkeit; alles „durch die Finger sehen,"
alle sogenannten Licenzen und Ausnahmen und Rücksichtnahmen helfen hier
absolut nichts, ja verschlimmern nur das Übel. Die Gründlichkeit der Lösung
derartiger Fragen fordert aber vor allem bei dem, der an sie herantritt, daß
er mit sich selbst im reinen und klaren ist. Ist es doch auch von anderer gewicht
voller Seite gesagt worden: Laßt uns besser werden, gleich wird's besser sein.
Es geht nun einmal nicht anders. Ernst muß gemacht werden, oder wir be
halten die traurige Halbheit, die so oft schon der Menschen und der menschlichen
Einrichtungen Verderben gewesen ist.
Eines der schwierigsten socialen Probleme ist ohne Zweifel die Lösung der
sog. Alkoholfrage. Zwar hat ja im 13. Jahrhundert einmal ein medizinischer
Professor (Arnold von Villanova) dem Branntwein ein Loblied gesungen und
ihn als Lebenswasser gepriesen, das die alternde Menschheit wieder verjüngen
werde. Aber diese Prophezeiung ist nicht in Erfüllung gegangen; der Brannt
wein ist schon seit langen Zeiten zu einem der drückendsten Übel für die Mensch
heit geworden. Flattich suchte energisch gegen dasselbe anzukämpfen. Er wußte
nur zu gut, daß man nur auf Erfolg rechnen kann, wenn man selbst auf diesem
Gebiete hieb- und stichfest ist. Ursprünglich war er es selbst nicht ganz. Als
jungem Manne war ihm der Schwabenwein recht trinkbar erschienen; ja er trieb
eine Zeitlang selbst einen kleinen Handel mit Wein. Bald kam er jedoch zu
der Erkenntnis, daß er hierin Wandel schaffen müsie. Schnurstracks gab er den
Weinhandel auf, und seiner Leibesnatur suchte er nachdrücklich dadurch beizukommen,
daß er sein tägliches Weinquantum beständig verringerte, bis schließlich ein Bedürfnis
zum Trinken sich nicht mehr geltend machte. Wer so sich selbst zu meistern versteht,
kann es mit Erfolg bei anderen versuchen. Und er hat es gethan in menschen
freundlicher, aber durchaus energischer Weise. Gar hart ging es ihm an mit
einem argen Säufer von Profession, dem die Zunge mit seiner Leidenschaft durch
ging. Mit väterlicher Teilnahme sprach er ihm zu Herzen unter Hinweis auf
den Beistand Gottes bei dem Versuche ehrlicher Besserung. Dem Säufer aber
saß der Schalk im Nacken. Der Gewohnheitssünder gab es noch mehr im
Flecken, und zu diesen gehörte ihm auch der Herr Pfarrer. „Er kann ja auch
das Tabakschnupfen nicht bleiben lassen" hielt er ihm entgegen. Flattich aber
war schnell gefaßt und schob diesen Einwand beiseite: „Nun gut, ich will vom

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