Vom täglichen Brot für die Jugenderziehung.
323
in der Gemeinde gemacht hatte, u. a. auch, wie schwer und wie lange er habe
daran lernen müssen, zuweilen bei Kirchenkonventen sowie in der Familie und
als Lehrer bei seinen Zöglingen nichts zu gellen. Der Herr Präsident stimmt
ihm zu: „Das hätte ich auch schon lernen und beobachten sollen, denn ich und
meine Frau sind gegenwärtig getrennt, weil jedes recht haben will." Das kam
Flattich gelegen. Schon öfter war er der Wiederhersteller ehelichen Friedens
gewesen. Er wußte es auch hier dahin zu bringen, daß die beiden Eheleute sich
wirklich in Liebe wieder einigten. Schließlich faßte er sich dann auch ein Herz,
den Herrn Präsidenten zu fragen, ob er sich etwa an seiner geringen Kleidung
stoße. „Keineswegs", erwiderte dieser, „ich habe gar nicht gesehen, was für
Kleider Sie anhaben." „Gut!" meinte Flattich, „so will ich mich aufs neue auf
die Niedrigkeit legen, Gott muß uns legitimieren, nicht die Kleidung." Nach 2
Jahren traf es sich, daß Flattich mit einem Münchinger Bürger durch Feuerbach
kam. Als sie an einer Stelle vorübergingen, wo Weiber mit der Reinigung der
Wäsche sich befaßten, eilte plötzlich eine der Frauen, die ihren früheren Wohl
thäter Flattich wieder erkannte, auf diesen mit dem Ausrufe zu: „Sehet, das ist
der Mann, der mir geholfen hat!" Voll dankbarer Freude drückte sie ihm die
Hand und brachte ihm die Freudenbotschaft: „Denk Er nur, mein Mann säuft
nimmer!" — Sehr freundschaftlich gestaltete sich Flattichs Verkehr mit dem Husaren
obersten von Naso auf der Solitüde (2 Stunden von Münchingen). Als dieser
einst Taufe hatte, wählte er Flattich zum Taufpaten. Eine große und gar vor
nehme Gesellschaft fand sich zur Feier ein. Man war „begierig, zu sehen, was
der geringe Dorfpsarrer machen werde." Wenn man aber gemeint hatte, man
dürfe diesen einfachen Mann schon etwas über die Achsel ansehen, so sollte man
bald merken, wie sehr man sich geirrt hatte. Unerschöpflich waren die „Schätze
der Weisheit und Erfahrung," die er nach allen Seiten hin auszuteilen wußte,
so daß die Festgäste schließlich gestanden, er habe ihnen einen genußreichen Tag
bereitet. Offen und gerade, wie er war, sagte er u. a. der Frau Oberst: „sie
solle nur ja ihm keine Schleckerin werden, sonst komme er nicht mehr zu ihr."
Sehr dankbar zeigte sich ihm gegenüber der Oberst; er gedachte des Besuches
Flattichs, bei welchem er ihn und seine Frau gefragt habe, ob eines des andern
auch froh sei? Auf ihre Bejahung habe er ihnen ans Herz gelegt, sie sollten
auch in Zukunft einander froh bleiben und sich die Hände darauf geben. Dieser
Vorgang habe auf sie beide einen so liefen Eindruck gemacht, daß sie ihn nicht
vergessen hätten. Wenn am Ehehimmel einmal ein Wölkchen im Anzuge ge
wesen sei, habe er flugs seine Frau gefragt: „denkst du nicht mehr daran, was
uns der liebe Münchinger Pfarrer gesagt hat, wir sollten einander froh bleiben?"
Die Erinnerung an jene schöne Stunde habe jederzeit gewirkt. Deshalb könne
er denn auch Flattich nicht genug danken und habe ihn zum Taufpaten gebeten.
Als es sich in weiteren Kreisen herumgesprochen hatte, wie edel Flattich an dem

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.