Vom täglichen Brot für die Jugenderziehung.
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lebt. Auf dem christlichen Grundgesetze der Sittlichkeit: «Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst" beruht die Wohlfahrt der Völker wie des einzelnen Menschen.
Nur auf Grundlage dieses die natürliche Selbstsucht unterbindenden Gesetzes kann
es zur wahren Selbsterziehung des Einzelnen wie der Völker kommen. Darum
ist und bleibt ihm denn auch die Pflege der socialen Kardinaltugenden der Liebe,
der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Demut allezeit das hauptsächlichste
Geschäft in der Gemeindeleitung wie in der Erziehung der Jugend. Bei dieser
ist es ihm hauptsächlich darum zu thun, daß seine Zöglinge brauchbare Leute in
der Welt werden, die auf das Beste anderer bedacht sind. Zu diesem Zwecke
kommt es mehr auf den Fleiß als auf die Gaben an. Es können nicht alle
Helden werden, wenn sie nur brauchbar im Dienste der Mitmenschen
werden. Und Leute von mäßiger Geschicklichkeit sind oft brauchbarer in der Welt
als solche, die eine große Gelehrsamkeit besitzen. Heranbildung fröhlicher
und fleißiger Christenmenschen, die sich demnächst im praktischen
Leben als gemeinsinnige und aufopferungsfähige Staatsbürger
zu bethätigen vermögen, ist das Ziel seiner Erzieherthätigkeit.
Wenn man aber andern zurechthelfen und sie erziehen will, muß man zuvor
selbst erzogen sein. Denn nächst der Gnade Gottes kommt es bei dem Er
ziehungsgeschäfte vor allem auf die Persönlichkeit des Erziehers selbst an.
Alle Gesetze, Verordnungen, äußeren Einrichtungen, ja alle Verstandesbildung haben
keinen dauernden Erfolg, wenn der Lehrer nicht der rechte Mann ist und nicht in
geeigneter Weise auf das Gemüt der Zöglinge einzuwirken versteht. Der Unterricht
muß durchaus gemütbildend sein, wenn wirklich durchschlagende Motive für den
Willen oder zum Handeln gewonnen werden sollen. Darum taugen für die Er
ziehung keine Leute, die das Ihre suchen, sondern solche, die ihre Freude darin
suchen, daß sie der Welt nützen und dienen können und aus diesem Grunde
Beschwerlichkeit, Angst und Sorgen überwinden können. Wer daher ein wirklich
guter Lehrer werden will, der muß sich von dem Worte Gottes ziehen lassen.
Denn hier ist der beste Lehrmeister für alle Zeiten und für alle Menschen zu
finden, Jesus Christus. Hier lernt er erkennen, daß die Liebe die vornehmste
Eigenschaft eines Lehrmeisters ist; und wenn er die Liebe nicht hat, so
ist er nichts und wird im Erziehungsgeschäft ein Handwerker bleiben sein
Lebenlang. Das hatte Flattich schon frühzeitig erkannt. Darum ist er selbst in
das Wort Gottes mit der lauteren Absicht rückhaltloser Prüfung und Läuterung
des eigenen Selbst eingedrungen und hat die unverbrüchliche Wahrheit des Wortes
Gottes an seiner eigenen Person erfahren dürfen. Die Vertiefung in das Wort
der Schrift ist es gewesen, welche die Herz und Geist einengenden Schranken
der Selbstsucht niedergerissen und ihm gezeigt hat, daß des Menschen Beruf ist,
den Mitmenschen zu dienen und Liebe zu üben. Die Liebe zu den Mitmenschen
hat ihn getrieben, nicht in einem engen Kreise sich selbst und dem vermeintlichen

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