Vom täglichen Brot für die Jugenderziehung.
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gestellt als ein Lehrer an einer öffentlichen Schule, welchem eine Reihe unkontrol
lierbarer Erziehungsfaktoren erschwerend in den Weg tritt. Sehr interessant und
instruktiv sind seine Bemerkungen über die Bedeutung der empirischen Psychologie
für die Pädagogik. Es genügt ihm nicht, daß ein Erzieher weiß, was junge
Leute lernen sollen und in welcher Ordnung eines auf das andere folgt, sondern
er verlangt, daß man sich mittelst der subjektiven Methode auf eine eingehende
Berücksichtigung der Jndividualirät der Zöglinge legt. Das Wesen dieser sub
jektiven Methode besteht aber darin, daß man sich im Unterricht der Fassungs
kraft der Schüler gehörig anpaßt und nicht über die Köpfe weglehrt. Es giebt
aber eine zwiefache Fassungskraft, eine solche, die durch die Kultur (Ausbildung)
kommt, und eine Fassungskraft, die mit den Jahren kommt. Denn es ist nicht
alle Fassungskraft zugleich da, wie man z. B. auch die Zähne nicht gleich mit
auf die Welt bringt, sondern man bekommt sie erst eine Zeitlang hernach, und
zwar nicht alle zugleich, sondern successive. Die besonderen Seelenkräfte wollen
ihre gewisse Zeit haben. Daher ist es für den Unterricht sehr dienlich, wenn
man die empirische Psychologie gelernt, damit man nicht nur die verschiedenen
Seelenkräfte verstehen lernt, sondern auch dadurch findet, wie man solche bei
jungen Leuten ausbilden müsse. Es dient aber auch das Unterrichten dazu, daß
man in der Psychologie nicht nur sicherer werde, sondern auch weiter kommen
kann. Wenn man bei vielerlei Menschen von verschiedenem Alter darauf achtet,
was für Veränderungen in ihrer Seele vorgehen, was sie dazu veranlaßt, was
daraus entsteht; warum der eine etwas leicht faßt, der andere aber schwer; warum
der eine etwas lang und leicht behält, der andere aber nicht; warum bei dem
einen dieses, bei dem anderen etwas anderes anschlägt; auf welche Art die Seelen
kräfte zunehmen, wie sie gehindert oder gar verschlimmert werden; wie eine
Seelenkraft der anderen hinderlich oder förderlich wird kann man eine gute
Erkenntnis der Seele bekommen. Demnach hat Flattich nicht nur erkannt,
welchen Wert die empirische Psychologie für die Pädagogik hat, sondern auch
darauf hingewiesen, daß sorgfältige Beobachtungen auf pädagogischem Gebiete
eine wesentliche Quelle für die Förderung der psychologischen Erkenntnis bilden.
Sehr richtig hat daher Weitbrecht (im Stuttgarter Gymnasialprogramm vom
Jahre 1872) gesagt, die so häufig als ein Hauptverdienst der Gegenwart
gerühmte Entdeckung, daß die Pädagogik auf der Psychologie zu basieren habe,
sei schon dem Pädagogen Flattich etwas ganz Geläufiges. Dieser kann auch ein
beredter Zeuge dafür sein, daß „gar viel neu Scheinendes schon alt ist, und
daß es schon längst kluge Männer und gute Lehrer gab."
Bei seinem Unterrichte hielt er sich nicht an irgend eine bestimmte Methode.
Er ist geradezu ein Feind aller Methodenjägerei. Eine Universalmethode giebt
es nicht, betont er, und beklagt es. daß man so gerne allgemeine Methoden
mache und den, welcher nach einer solchen nicht anschlage, gleich wegwerfe. Es

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