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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
die Gefahr, sich dem Besten zu entfremden, was je deutsche Herzen bewegt
hat, eine Gefahr, die, wenn sie nicht beschworen wird, unser Volk trotz aller
erreichten Machthöhe und Lebensrührigkeit unaufhaltsam einem Verfalle zutreiben
würde." (Forts, folgt.)
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens,
Biographien, Korrespondenzen, Lehrproben, Erfahrungen
aus dem Schul- und Lehrerleben.
Das Universitätsstudium der Volksschullehrer.
Bis vor kurzem war man gewohnt, bei den Erörterungen über die Lehrer
bildungsfrage den Ruf zu hören: Hinweg mit den Präparandenanstalten und
Seminaren! Unsere Losung sei: Höhere Schulbildung, Abiturientenzeugnis,
Universität. Über diese Forderungen kam der Erlaß über die Lehrerbildung wie
ein Reif in der Frühlingsnacht. Nun sind die Grundlinien für die Lehrer
bildung — nicht allein, wie sie sich jetzt gestalten soll, sondern auch, wie sie sich
weiter zu entwickeln hat — festgelegt. Die Zukunft kann eine Umgestaltung,
einen Ausbau besonders der Präparandenanstalt bringen; aber das Bestehen der
selben ist gewährleistet. In dieser Zeit der Ruhe mag man um so aufmerksamer
auf die Stimmen aus den Kreisen hören, die mit ihrem Urteil bisher weniger
hervorgetreten sind, und die doch in erster Linie Gehör fordern dürften, nämlich
auf die Stimmen der Universitätslehrer selbst. Es liegen jetzt mehrere Äußerungen
von dieser Seite vor; wir möchten im Folgenden einiges darüber mitteilen.
Auf dem letzten deutschen Lehrertage in Chemnitz hielt Profeffor
Rehmke aus Greifswald einen Vortrag über das Thema: Universität und
Volksschullehrer. (Vergl. den kurzen Bericht in Nr. 7 des Ev. Schul
blattes!) Der Vortragende hatte sich nicht gerade in tiefgrabender Arbeit um
seinen Gegenstand bemüht, er gab's wohl mehr, wie der Geist ihm just gebot;
aber vielleicht wirkte die unmittelbare Frische der Rede darum um so stärker. —
Da war zunächst die Feststellung wichtig: „Die meisten unter Ihnen werden
denken, daß hier in dem Sinne von Universität und Volksschule gehandelt werden
soll: durch die Universität zum Volksschullehrerberuf. Diese Bahn will ich
Sie nicht leiten." Diese Worte erhalten einen gewissen Nachdruck dadurch,
daß sie ausdrücklich und bewußt gegen die Majorität gerichtet wurden. Dem
Seminar soll also auch in Zukunft sein Recht bleiben. Ja, es soll nach R.
nicht bloß auch fernerhin als Vorbereitungsanstalt für den Lehrerberuf gelten,
sondern es soll auch die volle Ausbildung geben. Das richtet sich deutlich
gegen diejenigen, die das Universitätsstudium für die Volksschullehrer allgemein
verbindlich machen möchten. R. fragt: „Ist etwa der Seminarist, der vom
Seminar abgeht, bloß ein halber Mensch als Lehrer, dem die andere
Hälfte fehlt, die nur die mitbekommen, welche die Universität beziehen? Bei
Leibe nicht. Ich hoffe, daß Sie sich nicht selbst zu halben Menschen machen;
ich will es nicht gethan haben." Mit beredten Worten deckt er den Volksschul

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