Das Universitätsftudium der Volksschullehrer.
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studium gewiß so eng nicht gedacht. R. zieht die Grenzen noch enger, als es
zuerst den Anschein hat. Die Pädagogik soll nämlich als selbständige Disziplin
überhaupt keine Stelle im Universitätsstudium haben. Man hat doch gewiß
erwartet, die wachsende Bewegung aus den Kreisen der Volksschullehrer heraus
werde schließlich zu Lehrstühlen für Pädagogik und zu pädagogischen Seminaren an
den Universitäten führen, etwa nach dem Vorbild Jenas, und damit werde dann
eigentlich erst der Boden für ein gedeihliches Universitätsstudium der Volksschul
lehrer geschaffen werden. Aber davon will R. nichts wissen. „Ein System der
Pädagogik und Geschichte der Pädagogik haben wir auf dem Seminar, wozu die
Universität damit belasten? — Wir müssen uns hüten, diesen Volksschullehrer
studenten wieder zu verschulmeistern und ihm das Gängelband der Schule wieder
unter die Arme zu fügen. Dann ist er auf der Universität und doch wieder
nicht auf der Universität." Es will uns scheinen, als habe der Redner sich die
Begründung für seine ablehnende Stellung doch etwas leicht gemacht. Jedenfalls
ist der ihm an dieser Stelle gespendete Beifall der Versammlung befremdlich. —
Von dem bloßen Studium der Philosophie können wir nicht viel erwarten, mit
einem bloßen akademischen Firniß ist uns nicht gedient. Der Redner wies selbst
auf die von der Lehrerschaft mancherorts veranstalteten Vortragskurse von Hoch
schullehrern hin; wie kann er sie denn empfehlen, da in ihnen doch in der
Regel die Spezialwissenschaften behandelt werden?
Man weiß, daß Dörpfeld immer wieder auf die Errichtung von Lehr
stühlen für Pädagogik hingewiesen hat, und so verdienen denn auch die
Bemühungen des Prof. Rein für diese Sache die höchste Beachtung. Noch
kürzlich hat er dieselben in einem Vortrag im Berliner Lehrerverein *) gefordert.
Er legt dieser Einrichtung eine so hohe Bedeutung bei, daß er dem pädagogischen
Lehrstuhl an der Universität eine zentrale Stellung giebt für alle, die sich mit
Erziehungsdingen beschäftigen wollen. „Die Pädagogik, die Grundlage, das
Rückgrat der erzieherischen Thätigkeit, könne sehr wohl Mittelpunkt und Grund
lage für die einzelnen Fachwissenschaften sein. In der Einrichtung eines päda
gogischen Seminars sei dann Gelegenheit gegeben, daß die verschiedenen Vertreter
der verschiedenen Schulgatlungen einander kennen lernen, miteinander verkehren
können, wie es das pädagogische Seminar zu Jena zeige. Während einerseits
die jungen Philologen und Theologen, von denen schon in der Praxis stehenden
Volksschullehrern lernen könnten, z. B. die tiefere Erfassung der philosophischen
und psychologischen Problemes!), erhielten andererseits die Volksschullehrer wieder
manche Anregung durch die fachwissenschaftlichen Kenntnisse ihrer Kameraden. So
würde das pädagogische Seminar dem großen Gedanken der Einheit sämtlicher
Lehrer der verschiedenen Schulgattungen dienen." Stellen wir dieser Auffassung
die des Prof. Rehmke von der Sonderstellung der Volksschullehrer, wie er sie
für das Universitätsstudium derselben fordert, gegenüber, so finden wir, daß die
Reins nicht bloß anziehender ist, sondern für uns darum besonderen Wert hat,
weil sie doch ein Bild aus der Wirklichkeit, also etwas bereits Erprobtes, giebt.
Daß Rein die seminaristische Vorbildung für ausreichend hält, braucht wohl kaum
noch gesagt zu werden. — Auch Rein steht der Forderung, die Universität für
*) Wir folgen hier, wie bei den weiteren Mitteilungen den Pädagogischen Blättern,
Heft 4 und 5.
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