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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
alle Lehrer verbindlich zu machen, sehr skeptisch gegenüber, ohne indessen, wie
Rehmke, prinzipielle Bedenken zu äußern.
Das Studium soll durch ein Examen, das zu den Rektorats-, Seminar
lehrer- und Schulinspektorstellen berechtigt, abgeschlossen werden.
Auch Professor Willmann fordert mit Nachdruck das pädagogische
Seminar (Willmann, Das Prager pädagogische Universitätsseminar in dem
ersten Vierteljahrhundert seines Bestehens. Wien und Freiburg i. Br., Herder).
Das Prager Seminar übte, wie W. sagt, im Gegensatz zu den entsprechenden
deutschen Anstalten auf die Volksschule keine Einwirkung. Doch „würde gegen
die Aufnahme auch von Volksschullehrern von besonderer didaktischer Befähigung
nichts einzuwenden sein. Eine gedeihliche Mitwirkung der Universität an der
Fortbildung von Volksschullehrern ist nur mittels des pädgogischen
Seminars möglich, von dem aus die etwa für dieselben einzurichtenden Kurse
geregelt werden könnten, die alsdann diesen Kreisen eine wirkliche Vertiefung an
statt der unfruchtbaren bloßen Erweiterung der Bildung gewähren würden."
Man hört aus diesen Worten die große Bedenklichkeit gegenüber dem Studium
der Fachwissenschaften heraus. Und Seminarlehrer Muthesius, der Heraus
geber der Pädagogischen Blätter, schließt sich dem an, indem er sagt: „daß ein
gut begabter Volksschullehrer nach dem Stand seiner Allgemeinbildung fähig sei,
mit Erfolg akademische Studien zu betreiben, wird heute nur noch von denen
bestritten, die den Bildungsgang und Bildungsstand der Lehrer nicht genügend
kennen. Eine Frage, die ernster genommen zu werden verdient, ist es aber, ob
dem Volksschullehrer nicht aus dem Mangel an Kenntnis der alten Sprachen
besondere Schwierigkeiten für die Durchführung des Studiums erwachsen.
Als besonders beachtenswert möchten wir die Auslassungen von Professor
Paulsen bezeichnen, der sich auf mancherlei Gebieten als ein unvoreingenommener
und berufener Beurteiler der öffentlichen Verhältnisse bewährt hat. P. spricht
in einer Abhandlung (Die höheren Schulen und das Universitätsstudium im 20.
Jahrhundert, Braunschweig, Vieweg) lediglich von den höheren Schulen; er
meint, daß sich zur Zeit „ohne einige Kenntnis der lateinischen Sprache über
haupt niemand, er mag studieren, was er will, auf deutschen Universitäten
heimisch fühlen kann, auch nicht in der philosophischen Fakultät (Vergl. Rehmke!)
beim mathematisch-naturwissenschaftlichen Studium sowenig als in irgend einer
andern Disziplin." Ohne an die „Inkarnation der Logik in der lateinischen
Sprache" zu glauben, ist er überzeugt, „daß die Kenntnis der lateinischen Sprache
für jedes wiffenschaftliche Studium an der Universität zur Zeit unentbehrlich
ist." Der Universitätsunterricht werde sich auch in Zukunft nach denen richten,
die über altsprachliche Kenntnisse verfügen. Im Folgenden gewinnen nun die
Ausführungen Paulsens besonderes Interesse für uns. Er meint, es werde sich
für diejenigen, die ohne sprachliche Kenntnis zu besitzen, durch den Kieler Erlaß
zur Universität zugelassen worden sind, die Notwendigkeit ergeben, das Fehlende
nachzuholen, und er hofft, es würden sich dann schließlich Einrichtungen heraus
bilden, durch welche von Seilen der Universität den Studierenden solche Kenntnisse
könnten vermittelt werden in einer Form, die sich mehr dem schulmäßigen
Unterricht annähere. „Die Vernunft in den Dingen" wie er es nennt, werde
dahin führen. Würde sich Paulsens Vertrauen zu dieser Vernunft rechtfertigen,

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