Die sittliche Bedeutung des modernen Bildungsstrebens.
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so würde dann auch für die Volksschullehrer der freilich recht dornenvolle Weg
sich eröffnen zum vollen Studium an der Universität. Das „viele sind berufen,
aber wenige sind auserwählt," das Rehmke den Lehrern zurief, würde dann erst
recht seine Anwendung finden.
Man sieht wie verschieden die Ansichten von Männern sind, die als
Universitätslehrer auch zugleich den Volksschullehrern näher getreten sind. Man
wird sich also davor hüten, mit seinem Urteil über diese Fragen abschließen zu
wollen. Vor allem wird man auch die Wirkung der neuen Bestimmungen
über die Lehrerbildung erst abwarten müssen; diese stehen zunächst auf dem
Papier. Zugleich wünschen wir, daß die Hochschulmänner mit der Volksschul
lehrerschaft und ihrer Bildung in nähere Berührung treten möchten, wozu die
vielerorts eingerichteten Vortragskurse treffliche Gelegenheit bieten. Rein bezeugt
es, daß er es an seinen Kollegen erlebt habe, daß diese von ihren Vorurteilen
zurückgekommen seien, sobald sie durch Berührung mit den Lehrern deren ernst
liches Streben nach Fortbildung gesehen hätten. Es wäre sehr verkehrt, wolle
man die hier zu Tage tretenden Gegensätze in den Anschauungen wohlmeinender
Männer und ihre Bedenken leicht nehmen. Nicht bloße Ausdehnung des Wissens,
Vermehrung der Kenntnisse um jeden Preis, sondern vor allem Gesundheit
des geistigen Lebens sei das Ziel! und deshalb möchten wir auch für die hier
vorliegende Frage noch einmal hingewiesen haben auf die Arbeit von Rektor
Horn über die volkstümliche Bildung. Sie richtet unsern Blick nicht sowohl in
die die Weite, als in die Tiefe. A.
Die sittliche Bedeutung des modernen Bildungsstrebens.
Wir versprachen im vorigen Heft, auf Professor Harnacks Vortrag in Dort
mund über die sittliche und sociale Bedeutung des modernen Bildungsstrebens
noch zurückzukommen. Wir können das nicht besser thun, als indem wir den
letzten Teil seiner Rede nach den „Verhandlungen des 13. evangelisch-socialen
Kongresses" (Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. 160 S. Pr. 2 M.) hier
zum Abdruck bringen.
Als erste Gefahr, die uns hier entgegentritt, erscheint die Gefahr der Halbbildung.
Es sind nicht nur „Reaktionäre", sondern auch sozial gesinnte und einen gesunden Fort
schritt begünstigende Männer, die das moderne Bildungsstreben und die Einrichtungen,
die für dasselbe geschaffen werden, mit Besorgnis betrachten. Wir kommen ihnen auch
freiwillig mit dem Zugeständnis entgegen, daß die Gefahren der Halbbildung, nämlich
Unklarheit, Verwirrung und wiederum thörichter Hochmut und Unzufriedenheit, nicht
beseitigt werden können, ja sich vielleicht in einigen Köpfen unter den gegebenen Ver
hältnissen noch steigern werden. Aber deshalb dem modernen Bildungsstreben entgegen
zutreten und es niederzuhalten wäre das Verkehrteste, was wir thun könnten. Nieder
zuhalten vermögen wir es überhaupt nicht; denn es ist viel zu mächtig; wir würden es
nur auf schlechte Belehrung und schlechte Unterweisung zurückwerfen. Den Gefahren
der Halbbildung kann man doch nicvt durch die Verdammung zur Unbildung entgegen
treten, sondern nur durch ?,Ganzbildung". Die besten Männer müssen in dieses Werk
eintreten, und die besten Bücher müssen für dasselbe geschrieben werden. Mit den
wichtigsten Ergebnissen der Wissenschaften muß der Sinn für ihre Methoden und für
die unendlichen Schwierigkeiten einer gesicherten Erkenntnis auf allen Gebieten erweckt
werden. Wo er erweckt ist, da ist schon die Hauptsache gewonnen, da ist die größte Ge
fahr der Halbbildung abgewehrt. Und er kann erweckt werden. Gewiß, die höchste

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