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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Stufe wissenschaftlicher Erkenntnis kann niemand erfliegen, und einen königlichen Weg
zu ihr giebt es nicht: die großen Denker werden immer einsam sein, und es wird stets
eine Wissenschaft geben, die nicht für die Massen ist. Aber wie die Bilung, so hat auch
die Wissenschaft ihre Stufen, und es ist nicht wahr, daß die frischere Luft nur auf dem
höchsten Gipfel des Gebirges weht. Der schlechte Klang, den das Wort „populäre
Wissenschaft" hat — fast lautet es wie Pseudowissenschaft — braucht ihm nicht immer
anzuhaften: ich meine, er ist zum Teil schon verschwunden. Wo das Halvwahre und
Triviale verbannt, wo die Ehrfurcht vor der Wahrheit und ihrer Erforschung erweckt,
wo dem Einzelnen der wissenschaftliche Stoff geboten wird, der ihninseinemKreise
wirklich zu fördern vermag, da ist die populäre Wissenschaft eine gute und rechte
Wissenschaft.
Mit dem zuletzt Gesagten bin ich bereits einer zweiten Gefahr entgegengetreten,
die dem modernen Bildungsstreben anhaftet, der Gefahr der Gleichmacherei. Sie
erscheint mir besonders groß und verderblich; sie ist es auch vornehmlich, die zu der
schlimmen Halbbildung führt, ja auf die Dauer dw Wissenschaft selbst zu Grunde richten
muß. Ihre Folgen sind in jeder Richtung verhängnisvolle. Sie wirkt antisozial, löst
die gegebenen Grundelemente der Gesellschaft auf und hält die Entwicklung selbständiger
und eigenartiger Individuen nieder. Unter Gleichmacherei verstehe ich das Bestreben,
ohne Rücksicht auf die Unterschiede des Geschlechts, der Individualität und des Berufs
ein und dieselbe Bildung und darum auch einen und denselben Bildungsgang möglichst
Vielen geben oder vorschreiben zu wollen. Was dabei herauskommt, lehrt uns der
Untergang der antiken Wissenschaft: wir haben es aber selbst schon in schlimmen Er
scheinungen gesehen und werden wohl noch mehr Lehrgeld zahlen müffen. Verständlich
scheint es ja wohl, daß, nachdem viele äußere Schranken gefallen sind, nun kurzweg das
scheinbar Einfachste versucht und wo möglich allen das Gleiche zuteil werden soll: aber
die oberflächlichste und verderblichste Vorstellung von Bildung liegt diesen Bestrebungen
zugrunde — als ob sie wie ein äußeres Ding übermittelt werden könnte, während sie
doch überhaupt nur im Zusammenhang mit der Eigenart und dem Beruf des Indi
viduums besteht. Von ihnen abgesehen ist sie nichts als ein Firnis, ein zäher Schleim,
oder vielmehr, sie ist etwas viel Schlimmeres, ein Gift, welches die Frische und Gesund
heit des Geistes und der Seele, ja oft auch des Körpers zu zerstören vermag. Hier
kann ich auch die moderne Frauenbewegung in manchen Erscheinungen von schweren Vor
würfen nicht freisprechen. Entschuldigungen will ich gleich voranstellen: der harte Kamps
um das tägliche Brot und um einen Platz an der Sonne, das rühmliche Streben nach
wirtschaftlicher Selbständigkeit und wiederum das leidige Berechtigunswesen und die
Konkurrenz mit der männlichen Arbeit, in welche die Frauen zur Zeit oftmals treten
müssen, das sind Entschuldigungen genug. Aber wenn heute von verschiedenen Seiten
die Parole ausgegeben wird, weil die Frau dem Manne gleichwertig sei, so müßten ihr
auch durchweg dieselben Berufe und derselbe Bildungsgang eröffnet werden wie dem
Manne, so kann ich darin nur eine Verirrung sehen, und wenn vollends hin und her
die Miene angenommen wird, als sei die Frage „enius generis“ in Hinsicht auf Beruf
und bürgerliche Stellung überhaupt eine veraltete, wenn in diesem Zusammenhange
sogar an der Ehe gerüttelt wird, so droht uns die Auflösung. Ich nehme nichts von
dem zurück, was ich in diesem Vortrage über das Recht der Frauenbewegung aus
gesprochen habe: aber ich lehne die Konsequenz ab, daß die Frauenbildung einfach nach
dem Schema der Bildung des Mannes einzurichten sei und daß es ein gesunder Zustand
sei, wenn die Frau überall mit dem Manne in Konkurrenz tritt. Gleichwertigkeit ist
doch nicht Gleichartigkeit: jene bleibt bestehen, selbst wenn es sich herausstellen sollte,
daß die Frau intellektuell dem Manne durchschnittlich nicht gewachsen ist. Was sich aber
längst für jeden, der sehen will, herausgestellt hat, ist in Bezug auf viele Berufe die
körperliche Minderwertigkeit der Frau. Die schwierige Aufgabe der Zukunft wird darin
bestehen, den Frauen die rechten Berufe abzugrenzen und innerhalb derselben eine Ordnung
der Dinge vorzunehmen, wie sie der geistigen und physischen Organisation der Frau
angemessen ist. Hier sind wir erst in den Anfängen, und Opfer an gesunden Menschen
leben wird es kosten, bis die Aufgabe gelöst ist. Unterdessen ist schon jetzt sorgfältig
jede Gleichmacherei zu verbannen, wo die Schädlichkeit einer solchen offen am Tage liegt.
Dazu: gewiß ist die Frau nicht nur für die Ehe und die Familie, aber sie ist in erster
Linie für sie zu erziehen. Der Einwurf, daß man den Mann doch nicht in erster Linie
für diese erziehe, stammt bereits aus einer verkehrten Betrachtung der Dinge. Diese
-erscheint gesteigert, wenn wir heutzutage wieder, wie einst im Mittelalter, die Frage

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