Die IV. Generalversammlung rc.
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ästhetische Gedanken aufzustutzen und zu idealisieren versuchen: bei schärfer Blickenden
werden wir damit wenig pewinnen, und das, worauf es ankommt, wird doch nicht er
reicht^ Dem persönlichen Werte der Menschenseele und ihrem inneren Leben, aber auch
jener brüderlichen Verbindung der Menschen, die als Ideal vor uns liegt, entspricht nur
der christliche Gottesgedanke: Gott ist der Herr und er ist die Liebe. Wie wir von ihm
und zu ihm geschaffen sind, so soll auch unsre Erkenntnis und Bildung in ihm begründet
bleiben. Diese Gesinnung erhebt uns aus dem Vergänglichen ins Dauerhafte und Ewige;
sie adelt auch die geringste Arbeit und vernichtet jeden bloß scheinbaren Wert. In dieser
Gesinnung sollen wir schaffen und bilden.
Alle Entdeckungen, alles Wissen, im Momente so berauschend, wird rasch trivial
und wirkungslos: wenn es aber zugleich den inneren Sinn vertieft und belebt, ihn
umbilden hilft zu einem höheren Sein, so hat es ewiges Leben in sich.
Die IV. Generalversammlung des Landesvereins
Preußischer Volksschullehrerinnen.
In Halle a. S. fand zu Pfingsten die Generalversammlung des Landes
vereins Preußischer Volkschullehrerinnen statt. In der ersten öffentlichen Ver
sammlung sprach Fräulein Mathilde Nouvel, Breslau, über: „Die
Ausgestaltung des Haushaltungs-Unterrichtes und die Fort
bildungsschule." Die Vortragende ging davon aus, daß, nach Annahme
der Forderung des obligatorischen hauswirtschastlichen Unterrichts in der Volks
schule durch die letzte Generalversammlung des Landesvereins, die Beratung über
den Ausbau desselben eine Aufgabe der Lehrerinuen-Versammlung sei. Haus
wirtschaftlicher Unterricht soll alle praktischen und theoretischen Kenntnisse für den
Betrieb von Haus- und Landwirtschaft vermitteln, der Frau die Errungenschaften
der Wissenschaft und Technik zugänglich machen und sie ausrüsten mit praktischen
Fertigkeiten, was bisher nicht geschehen ist. Er umfaßt Naturwissenschaften, Ge-
sundheits-, Ernährungs-, Erziehungs-, Volkswirtschafts- und Gesetzeslehre, Techno
logie, Kulturgeschichte, Wirtschaftslehre und Kochen. Der Aufbau gliedert sich in
1. Elementar-, 2. Fach- und Berufs-, 3. wissenschaftliche Stufe. Der Unterricht
der ersten Stufe fällt obligatorisch in das letzte Schuljahr mit 4 Wochenstunden:
der zweiten freiwillig nach der Schulentlassung ohne Altersgrenze mit 25—40
Wochenstunden, der dritten, nach Absolvierung der Fach- oder höheren Schulen,
oder des Lehrerinnen-Examens mit unbegrenzter Studienzeit. Die Debatte über
die Einführung des Haushaltungsumerrichts in die Fortbildungsschule betonte,
daß die Fortbildungsschulen für Frauen in erster Linie Berufsschulen sein müssen,
ergab aber die Forderung, daß
1. trotz der Einführung des Haushaltungsunterrichtes an Volksschulen
einzelne Fachklassen für Hauswirtschaft auch an der obligatorischen Fortbildungs
schule notwendig seien, und 2. alle Frauen ohne Unterschied der Bildung und
des Berufes nach Beendigung ihrer Berufsbildung einen mehrmonatlichen Kursus
an einer hauswirtschaftlichen Schule durchzumachen haben. Sie sind hierzu durch
Gesetz zu verpflichten, wie der Mann zum Militärdienst. Ausgenommen von
diesem Zwange sind nur diejenigen, die den Nachweis einer hauswirtschastlichen
Ausbildung an einer öffentlichen Anstalt erbringen können. In der zweiten
öffentlichen Versammlung behandelte Fräulein Adelheid Pinzmann, Striegau,
das Thema: „Was kann die Volksschule zur Bekämpfung des
Alkoholismus thun?" Durch den Erlaß des Herrn Kultusministers,

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