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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Frauenbundes. Besondere Hindernisse liegen der Beteiligung der Lehrerinnen
und Frauen bei der Armen- und Waisenpflege noch im Wege. In den meisten
Orten Westfalens (anderwärts ist es wohl ähnlich) sind die Verhältnisse noch
nicht reis für die Mitarbeit der Frauen; die besondere Art ihrer Hülfe, die in
der erziehlichen Seite ihres Einflusses liegt, wird noch nicht genügend erkannt.
In Familien z. B., in denen wirtschaftliche Untüchtigkeit der Frau die Ursache
der Not ist, sowie in allen Fällen, wo es sich um Vorbeugung im Sinne des
Fürsorgeerziehungsgesetzes handelt, ist Frauenhülfe dringend nötig, nicht als Ersatz,
sondern als Ergänzung der Hülfe des Armen- oder Waisenpslegers, so wichtig
wie mütterliche Pflege in der Familie neben der Autorität des Vaters ist.
Größere Aufgaben und Neueinrichtungen machen eine Konzentration aller
Wohlfahrtseinrichtungen eines Ortes nötig, und dabei können Lehrerinnen durch
ihre vermittelnde Stellung zwischen Haus, Schule und bürgerlicher Gesellschaft
eine wichtige Mission erfüllen. Alle Aufgaben von außen aber er
fordern ein innerliches Gerüstetsein; wenn man uns ruft, ist
es zu spät, uns fertig zu machen. Soll unser Urteil maßgebend sein,
so muß es sich auf zahlreiche, persönliche Erfahrungen stützen können, die den
Beleg für die Notwendigkeit weiblicher Hülfe bieten. Die Zukunft wird den
Volksschullehrerinnen, hoffentlich in absehbarer Zeit, ein neues, wichtiges Arbeits
feld eröffnen: Die obligatorische Fortbildungsschule für Mädchen. Die äußere
Vorbereitung darauf, sowie die Anbahnung der Schuleinrichtung selbst liegt nicht
in unserer Hand, wohl aber die innere Vorbereitung, die nicht besser geschehen
kann als durch sociale Arbeit. Nur wer ein Herz hat für die Jugend unseres
Volkes und die Einsicht besitzt, was ihrer Zukunft, zumal der der Mädchen,
wirklich not thut, der kann als Lehrerin der Fortbildungsschule nützen. Da in
dem seit einigen Jahren bestehenden ,,deutsch-evangelischen Frauenbund" die sociale
Arbeit auf christlichem Boden betrieben wird, so hat jede christliche Lehrerin die
Möglichkeit, durch den Anschluß an diese Vereinigung immer wieder neue Anregung
und weitere Förderung zu erlangen. C. Sch.
Anregungen.
Lesefrüchte zu dem Kapitel „Schule und Leben".
„Der Gedankenkreis der Schule, der von oben kommt, ist mit ihrem (der
Kinder) wirklichen Gedanken- und Gemütsleben, das sich von unten nährt, nicht
vermittelt und vermählt worden."
R. Hildebrand, Vom deutschen Sprachunterricht.
„Die von vielen Lehrern so streng verfolgte Kontrebande der eigenen Ge
danken der Schüler würde sehr oft ein sehr wertvolles Unterstützungsmittel des Lehrers
sein, wenn dieser gebildet genug wäre, ihren Wert schnell zu erkennen. Solcher
Gedankenkontrebande bringen die Schüler gar ein großes Teil aus dem Natur-
und Menschenleben mit zur Schule. Es würde aber nicht mehr Kontrebande sein,
wenn der Lehrer durch eine gründliche Bildung in den Stand gesetzt wäre,
Natur- und Menschenleben selbst mit seinem Unterricht in die gehörige Verbindung
zu setzen."

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