Anregungen.
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„Neben der Gedankenreihe, die der Unterricht ihnen entgegenbringt, spinnen
die Schüler oft ihre eigenen fort. Der Lehrer kann das kaum verhindern, ja
er wird es in manchen Fällen nicht einmal erfahren Der Lehrer sollte
sich daher recht oft fragen, woran wohl seine Schüler bei dem, was er sagt,
denken mögen. Er sollte recht oft auf die Gedankengänge der Kinder eingehen,
die Kinder veranlassen, ihn selbst dabei auf die rechte Fährte zu bringen. Er
sollte möglichst oft das, was aus dem den Kindern gegenwärtigen Leben zur
Vergleichung, zur Veranschaulichung herangezogen werden kann, benutzen; ja, er
könnte wohl auch den Schülern gestatten, derartige Bemerkungen, die sich ihnen
aus ihrer Erfahrung aufdrängen, zu machen, ohne daß sie dazu besonders
aufgefordert wären." Alb. Richter, Schule und Leben.
„Wie es in der Schülerseele aussieht, das erfährt man nicht, wenn man
sie nur antworten läßt; man muß sie dazu bringen, wirklich zu reden, zu
plaudern, zu erzählen, zu fragen, heraus zu schwatzen, was in ihnen ist. und
man darf nicht böse werden, wenn alles dies in einer Form geschieht, deren
Nachlässigkeit den Pedanten entsetzen würde. Ja, um kennen zu lernen, was sie
interessiert und was sie in ihren Mußestunden beschäftigt, muß man es geradezu
vermeiden, durch fortwährende Berichtigungen des Ausdrucks ihre schöne Offen
herzigkeit zu beirren und die Lebendigkeit ihrer Darstellung ins Stocken zu
bringen."
„Vor uns sitzt still die kleine Schar mit den großen, fragenden Augen; sie
haben gewiß öfter eine Frage auf der Zunge. Aber die Disziplin verschließt
ihnen das Mäulchen, das so gerne plaudert, und die stumme Frage in ihren
Blicken versteht der große Mann vor ihnen auch nur zu oft nicht zu lesen. Sie
gleichen den Blumen, die von roher Hand ausgerauft und auf den Weg geworfen
worden sind; wie gerne möchten sie ihre Würzelchen in ihn versenken und Nah
rung aus ihm saugen, um noch schöner zu erblühen. Aber der Lehrer — das
ist der harte Weg — bleibt fest und bildet sich oft noch viel auf seine Festigkeit
ein, auf der man doch so schön vorwärts kommen könne, indeffen jene, ihrer
Natur gemäß, verkümmern und verdorren müssen."
„Der Lehrer, der sich zu jeder Zeit genau unterrichtet von dem Inhalt der
Schülerseele, der es sich zum ehernen Gesetz gemacht hat, immer und überall
darauf zu achten, daß der Kontakt seiner Sprache mit dem Anschauungskreis der
Kinder nicht unterbrochen wird, der wird bald gewahr werden, wie hierdurch ein
neuer frischer Zug durch den gesamten Unterrichtsbetrieb zu wehen beginnt, sodaß
überall wie nach einem Gewitterregen die geistige Vegetation eine kräftigere, ge
sündere und reichere wird."
Ernst Linde, Die Muttersprache im Elementarunterricht.
„Der Lehrer, der die Schüler dahin bringt, daß sie vor ihm sich ruhig
besinnen lernen, d. h. dazu den Mut gewinnen, hat sofort eine um 50 °/o ge
scheitere Klasse."
„Es ist wirklich bei manchen Lehrern, als ließen sie den lebendigen inneren
Menschen, der die wahre Lebensquelle für die Klasie ist, (nicht das Buch) einfach
zu Hause oder auf dem Korridor oder im Sprechzimmer bei den Kollegen und
brächten in die Klasse nur ein Stückchen davon mit, den trockenen Verstand, mit
dem Gedächtnis, seinem gleich trockenen Diener."
Prof. Hildebrand, a. a. O.

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