Rundschau.
349
daß auf 100 Schüler 68,62 evangelische, 23,57 katholische, 0,25 dissidentische
und 7,36 jüdische kamen. Vergleiche man diese Zahlen mit den vorhin an
gegebenen Anteilen an der Bevölkerung, so ergiebt sich für die Evangelischen ein
Mehr von 4,22°/o, für die Juden sogar ein Mehr von 6,06°/o, für die
Dessidenten ein Weniger von 0,05°/o, für die Katholiken ein Weniger von
10,230/'o. Die letzteren stellen also etwa ein Drittel weniger zu den höheren
Schulen, als ihnen nach dem Bevölkerungsdurchschnitt zukäme.
Eine ganz auffallende Ungleichheit tritt hervor, wenn man die Verteilung
auf die gymnasialen und realistischen Anstalten näher ins Auge faßt. Von der
Gesamtschülerzahl kamen auf die gymnasialen Anstalten 58,20 °/o, auf die
realistischen Anstalten 41,800/o. Die gymnasia len Anstalten hatten 61,21%
evangelische, 31,03 °/o katholische, 0,14°/o dissidentische, 7,62 °/o jüdische Schüler.
Hier sind die Katholiken stärker beteiligt, als bei den realistischen Anstalten;
doch bleiben sie dabei immer noch mit 2,77 °/o hinter dem ihnen zukommenden
Anteil zurück. Außerordentlich gering ist ihre Beteiligung bei den realistischen
Anstalten. Diese letzteren wurden von 79,42°/o Evangelischen, 13,16% Katho
lischen , 7,02 o/o Juden und 0,40 °/o Dissidenten besucht. Während also die
Evangelischen mit 14,82 °/o, die Juden mit 5,72 %, die Dissidenten mit 0,10%
ihren Anteil überschreiten, bleiben die Katholiken mit nicht weniger als
20,64o/o zurück.
Es könnte nun der Einwand erhoben werden, die Katholiken seien als
Minderheit eben allenthalben benachteiligt, es sei begreiflich, daß sie wenig geneigt
seien ihre Kinder in überwiegend evangelische Schulen zu schicken. Aber auch
hierüber giebt die Statistik deutlichen Aufschluß. Im Westen wie im Osten der
Monarchie überwiegen die Katholiken, in der Rheinprovinz, in Westfalen, in
Posen, Schlesien und Westpreußen sind sie in der Majorität. In diesen fünf
Provinzen bilden sie zusammen 59,77 °/o der Bevölkerung. Aber hier, wo doch
eine ganze Reihe von höheren Schulen einen ausgeprägt katholischen Charakter
trägt, bleiben sie mit 16,66 °/o hinter ihrem Anteil zurück, während die Evan
gelischen mit 11,31%, die Juden mit 5,34 %, die Dissidenten mit 0,01 % im
Vorsprung sind.
Auch die Ergebnisse der Reifeprüfungen sind für die Katholiken
ungünstig. Von 5670 Abiturienten waren 66% evangelisch, 26,6 % katholisch,
0,2 0/o dissidentisch und 7,2 °/o jüdisch. Während die Katholiken bei den Gym
nasien wenigstens noch 30,05o/o der Abiturienten haben, womit sie allerdings
den ihnen gebührenden Anteil von 33,80 0/0 nicht erreichen, haben sie bei den
realistischen Anstalten nur 10,94 0/0, also noch nicht einmal ein Drittel soviel
Abiturienten, als ihnen nach dem Bevölkerungsdurchschnitt zukämen!
Der gerade hier vorliegende Ausfall ist recht ernst zu nehmen, wenn man
bedenkt, daß die realistischen Anstalten den erwerbenden, im praktischen Leben
thätigen Ständen die Kräfte zuführen. Die Katholiken schließen sich damit von
dem Wettbewerb im wissenschaftlichen Leben — wenigstens was die führenden
Stellen angeht — immer mehr aus.
Und wie erklärt sich denn die Vorliebe für das Gymnasium? Haben wir
dabei vielleicht an vorwiegend ideale Lebensauffassung zu denken, denen das Gym
nasium, wie seine Fürsprecher behaupten, mehr gerecht wird? Die Statistik giebt
darauf eine Antwort. Von 2877 evangelischen Gymnasial-Abiturienten gingen
fast lOO/o zur Theologie über, während von 1396 Katholikeu fast 34 0/0 Theo-
24

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.