358 I. Abteilung. Abhandlungen.
intellektuellen, sondern um die sittlich-religiösen Werte, die der Religionsunterricht
begründen soll.
Drittens: Der äußere Anlaß zu dieser Arbeit ist ausgegangen von der
Konferenz evangelischer Lehrer und Schulfreunde in Barmen. Dem Vorsitzenden
dieser Konferenz, Rektor Hindrichs, bin ich zu besonderem Dank verpflichtet für
die bereitwillige Übermittelung der Gesichtspunkte, die sich bei den Verhandlungen
der Konferenz ergeben hatten.
Viertens: Es war mir ein ernstes Anliegen, einfach nur das zu sagen,
was ich als Wahrheit erkannt habe ohne Rücksicht darauf, ob es diesem oder
jenem gefallen möchte oder nicht. Mag damit werden, was da will! So
fordert es der Pfingstgeist, der Geist der Wahrheit. Es handelt sich hier nicht
um Dinge, die einem so gelegentlich einfallen, sondern im wesentlichen um Über
zeugungen, die als das Resultat schwerer innerer Kämpfe und vielseitiger Er
wägung zu betrachten sind.
Fünftens: Es liegt in der Natur der Sache, daß auch die Kirche und ihre
Lehrthätigkeit gestreift werden mußte. Ich bin mir dessen voll und ganz be
wußt, daß meine christliche Erfahrung und Überzeugung ruht auf den Grund
prinzipien der evangelischen Kirche, zu der ich mich freudig bekenne. Sollte mir
nachgewiesen werden, daß meine Auffassung nicht zutreffend ist, so will ich gerne
offen und öffentlich meinen Irrtum eingestehen.
2. Was wollen wir durch unsern Religionsunterricht erzielen? Lebendiges
Christentum. Wo ist lebendiges Christentum? Wo der lebende Christus
ist. Jesus sagt: „Ich bin das Leben." Ohne ihn und außer ihm giebt
es also kein christliches Leben, kein lebendiges Christentum. Dieses Leben ist
von Natur nicht in uns, es hat nichts zu schaffen mit unserm natürlichen Leben.
Wenn Jesus in ein Herz einzieht, dann zieht mit ihm das göttliche Leben ein.
Dann kann man mit dem Apostel sagen: „Christus ist mein Leben" (Phil.
1, 21) und: „Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in
mir" (Gal. 2, 20). Das neue (geistliche) Leben haben wir also nicht aus uns
in uns, sondern aus und in ihm.
Wie bekommen wir dieses göttliche Leben? Mit andern Worten: Wie
kommt der lebendige Christus in unser Herz hinein? Das neue Leben hat zur
Voraussetzung eine neue Geburt, und diese neue Geburt ist nicht denkbar ohne
eine neue Zeugung. Welches ist der Same? „Der Same ist das Wort
Gottes." So spricht der Herr Luk. 8, 11. So bezeugt es uns auch der
Apostel Petrus, wenn er sagt: „Habt euch untereinander brünstig lieb aus reinem
Herzen, als die da wiederum geboren sind, nicht aus verzüglichem, sondern aus
unverzüglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort
Gottes, das da ewiglich bleibet" (1. Petr. 1, 22. 23). Wer ist aber der
Zeugende? Der Geist Gottes. So ist es gemeint in dem Wort des

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