Die Wirkung des Religionsunterrichts.
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Brüderlichkeit durch die menschliche Seele. Dieses Sehnen führt naturgemäß
zu Gott hin. wo es allein voll und ganz befriedigt werden kann. „Wen der
Sohn frei macht, der ist frei." Und wo diese herrliche Freiheit der Kinder
Gottes ist, da ist auch die wahre Gleichheit und Brüderlichkeit. Ob Fürst oder
Knecht, Mann oder Weib, reich oder arm — hier heißt es: „Wir, als die
von einem Stamme, stehen auch für einen Mann." Das ist wahre Freiheit,
Gleichheit und Brüderlichkeit, die sich wohl verträgt mit der Verschiedenheit des
Standes, der Begabung und der materiellen Mittel. Wohin dieses Sehnen
führen soll und kann, weiß auch der Fürst dieser Welt. Und darum hat er,
von dem Luther sagt: „groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist" —
diesem Sehnen eine andere Richtung zu geben sich bemüht. Und es ist ihm
nur zu gut gelungen. Er hat den Menschen eine betrügliche Fata Morgana
vorgespiegelt, um ihnen den Schein für das Sein zu geben, um sie schmählich
zu betrügen durch jenes Hirngespinst, das sie Zukunftsstaat nennen. „Da sie
sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden," sagt das göttliche Wort.
Es ist insonderheit die Aufgabe der Erziehung, jenes Sehnen in die rechte Bahn
und nach dem rechten Ziel zu lenken. Und gerade in unserm Religionsunterricht
haben wir Gelegenheit zu zeigen, daß auch wir Christen einen Zukunftsstaat
haben, einen Staat, in dem Gerechtigkeit, Friede und Freude wohnt, dessen
Haupt nicht irgend ein ehrgeiziger Parteiführer, sondern Jesus Christus, der
Schönste und Herrlichste unter den Menschenkindern ist. Wenn Jesus Christus
in ein Herz einzieht, dann zieht mit ihm ein neues Zukunftsideal ein. Es ist
das Reich Gottes, um dessen Kommen wir beten im Vaterunser. Und wo
dieses Ideal ein Herz beglückt, wo man weiß, daß das Reich Gottes seinem
Wesen nach nicht „Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude
im Heiligen Geist" ist, da ist für das armselige Hirngespinst eines sogenannten
Zukunftsstaates kein Raum mehr. Das Evangelium ist eine Kraft Gottes,
selig zu machen alle, die daran glauben, es ist eine Kraft, die stärker ist als
Menschenmacht und Menschenweisheit, eine Kraft, vor der sich die römische
Staatsgewalt und die griechische Weisheit hat beugen müssen. Das Christentum,
d. h. nicht das armselige schulgerechte Gewohnheitschristentum, sondern das
Christentum, das Geist und Leben ist, ist auch stärker als die kräftigsten Irr
tümer der Sozialdemokratie. Die Erfahrung beweist es. Für mich wird die
Sachlage trefflich beleuchtet durch ein Wort, das ich von einem Stillen im Lande
hörte: „Wenn ich kein Christ wäre, würde ich ein Sozialdemokrat sein; aber
weil ich ein Christ bin, darum kann ich kein Sozialdemokrat sein." Ja: ein
Christ kann kein Sozialdemokrat sein, und ein Sozialdemokrat kann kein Christ
sein. Mehr lebendiges Christentum heißt: weniger Sozialdemokratie. Oder
ist etwa die Wissenschaft besser im stände, die Sozialdemokratie zu besiegen?
Benutzt diese nicht auch die Wissenschaft? Da steht also Wissenschaft gegen

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